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Gewerbeverkehr

Etwa 30-40 Prozent des Verkehrsaufkommens in Deutschland entsprechen heute dem Gewerbeverkehr, häufig verbunden mit überproportionalen Lärm- und Schadstoffbelastungen. Also Lärm, schlechte Luft, verstopfte Straßen. – Und das bei wachsendem Lieferverkehr!

Der städtische Wirtschaftsverkehr ist eines der vielversprechendsten Einsatzfelder für Elektrofahrzeuge. Vielerorts sind bereits moderne City-Logistik-Konzepte in der Entwicklung. Für Kommunen können sich so neue Gestaltungsspielräume für Lebensqualität und Standortattraktivität eröffnen.

Einsatz- möglichkeiten

Handlungs- empfehlungen

Vorteile

Wirtschaft- lichkeit

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Elektromobilität

Der Wirtschaftsverkehr lässt sich in die Bereiche Güter-, Personen- und Dienstleistungsverkehr gliedern. Je nach Fahrtzweck unterscheidet sich das Anforderungsprofil für die eingesetzten Fahrzeuge.

Einordnung des Wirtschaftsverkehrs

Auf der BMVI-Fachkonferenz "Fachkonferenz Elektromobilität vor Ort 2016" wurden Praxiserfahrungen aus Stuttgart vorgestellt und die Bereitschaft der handelnden Akteure besprochen.

Güterwirtschaftsverkehr

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Güterlieferungen können Warenanlieferungen im Supermarkt, Arzneimittellieferungen aus der Apotheke, aber auch Essenslieferungen eines Bestelldienstes sein. Die Wege und Nutzungszeitfenster sind dabei unterschiedlich lang:

Das Segment der Kurier-Express-Paket-Dienste (KEP-Dienste) ist nicht zuletzt durch den Online-Versandhandel seit dem Jahr 2000 stark gewachsen und macht einen immer größeren Teil aller Gütereinfahrten in Städten aus. KEP-Dienste transportieren in der Regel Güter mit geringem Gewicht, haben begrenzte Einsatzgebiete und beliefern pro Tour zahlreiche Endkunden. Dieses Einsatzprofil ist besonders günstig für den Einsatz von Elektrofahrzeugen. Zudem stehen die Fahrzeuge nachts auf Betriebshöfen, auf denen die Batterien aufgeladen werden. Auch der Einsatz von Lastenpedelecs verbreitet sich zunehmend unter den Kurierdiensten.

Der Werkverkehr umfasst den Transport von Gütern des eigenen Unternehmens. E-Fahrzeuge lassen sich hierfür ebenfalls gut einsetzen, da aufgrund der überwiegend regelmäßigen Fahrten/ Touren (zum Beispiel zwischen zwei Unternehmensstandorten), die Planbarkeit der Batterieladevorgänge erleichtert wird.

Für den Transport deutlich schwererer Güter, wie bspw. im Rahmen einer Spedition, fehlen derzeit noch reine Elektrofahrzeuge. Für den Zeitraum 2017-2020 sind nun erste Fahrzeuge angekündigt. Interessant könnte hier hingegen die Nutzung von Fahrzeugen mit Parallel- oder Hybridantrieben in sensiblen Stadtgebieten oder etwa der Einsatz von Brennstoffzellen-Range-Extendern sein.

Personenwirtschafts- und Dienstleistungsverkehr

Personenwirtschafts- und Dienstleistungsverkehr anzeigen

Beim Personenwirtschaftsverkehr geht es vor allem um dienstliche Fahrten im Firmenwagen. Unter Dienstleistungsverkehr versteht man den gemeinsamen Transport von Personen und Gütern, wie bspw. bei Handwerkerfahrten. Beide zusammen machen über die Hälfte aller Fahrten des Wirtschaftsverkehrs aus.

Je nach Anforderung eines Unternehmens können Elektrofahrzeuge verschiedener Art (Pkw, Pedelecs, E-Scooter) in den Fuhrpark integriert werden oder die Verbrennungsmotoren ersetzen.

So können Elektrofahrzeuge für Außendienstfahrten, Schülertransporte, medizinische und pflegerische Dienstleistungen oder Service- und Handwerksdienste eingesetzt werden. Kostenvorteile können sich zum Beispiel aus Kooperationen mit CarSharing-Anbietern ergeben, wenn ein Unternehmen E-CarSharing-Fahrzeuge regelmäßig bucht.

Problemlagen erkennen...

Beim Güterwirtschaftsverkehr ist die Fahrzeugpalette noch übersichtlich, erfährt aber zusehends eine Ausdifferenzierung. Größere Transportfahrzeuge und Lkw können durch Kooperationen von Fahrzeugherstellern und gewerblichen Kunden umgerüstet werden.
Vergleichsweise hohe Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen amortisieren sich schneller, desto höher die Auslastung der Fahrzeuge ist. Aus unternehmerischer Sicht können durch Mehrschichtbetrieb entsprechend höhere Auslastungen erzielt werden.

... und gemeinsam Maßnahmen entwickeln

Zunehmende CO2-Emissionen durch stark frequentierte Straßen in den Innenstädten sind verantwortlich für kommunale Problemlagen. Die unternehmerischen Kostenstrukturen können nicht das Einsatzfeld von Kommunen sein, die den E-Wirtschaftsverkehr fördern wollen.
Kommunen können im Rahmen ihrer rechtlichen, organisatorischen und budgetären Möglichkeiten Anreize setzen, um die Nutzung von Elektrofahrzeugen im städtischen Wirtschaftsverkehr zu unterstützen.

Als mögliche Ansatzpunkte für Fördermaßnahmen kommen u.a. in Frage:

  • Kommunikation und Information über Einsatz- und Wartungsmöglichkeiten von E-Nutzfahrzeugen in verschiedenen Branchen
  • Branchenvertreter, Standesorganisationen / Verbände von Elektromobilität überzeugen, so dass diese wiederum ihre Mitglieder für das Thema gewinnen
  • Ausprobieren ermöglichen - Testangebote durch kommunale Wirtschaftsförderung und Autohändler anbieten
  • Vermittlung von Fuhrpark- und Wirtschaftlichkeitsanalysen
  • Ideen wie Car-Pooling vermitteln, die die Einsatzmöglichkeiten von E-Fahrzeugen aufzeigen
  • Regulierung des Wirtschaftsverkehrs
  • Finanzierung oder Aufzeigen von Finanzierungsmöglichkeiten
  • Bereitstellung / Betrieb von E-Fahrzeugen oder Logistikinfrastrukturen
  • Nutzung von E-Fahrzeugen und innovativen Logistiklösungen



    Die Publikation Elektromobilität im städtischen Wirtschaftsverkehr zeigt am praktischen Beispiel Maßnahmen auf, mit denen Kommunen den Wandel unterstützen können.

Der direkte Austausch zwischen Kommunen, Unternehmen und Forschung ist eine wichtige Voraussetzung für die Identifizierung oder Entwicklung von geeigneten Förderschwerpunkten und -maßnahmen. Dieser Dialog kann durch eine gezielte Einzelansprache erfolgen oder aber im Rahmen von Arbeitsgruppen wie beispielsweise einem Arbeitskreis Innenstadtlogistik stattfinden.

Für Kommunen ist Elektromobilität im städtischen Wirtschaftsverkehr besonders dann interessant, wenn Maßnahmen über den reinen Umstieg von einem Verbrennungsmotor auf einen Elektromotor hinausgehen, wie beispielsweise durch die Neukonzipierung städtischer Logistikkonzepte.

Eine kompakte Übersicht über relevante Fragestellungen im Prozess bietet die Checkliste Gewerbeverkehr.

Bessere Luftqualität und weniger Treibhausgase

Die Umsetzung der Luftqualitätsrichtlinie der EU enthält verbindliche Grenzwerte für den Stickstoffdioxid- und Feinstaubgehalt der Luft. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat Kommunen bereits aufgrund von zu hohen Stickstoffdioxidbelastungen zum Verhängen von Fahrverboten ermächtigt.

Dabei kann der Umstieg auf Elektromobilität Teil der Lösung sein, da Elektrofahrzeuge lokal keine Schadstoffe emittieren. Zudem stoßen die Fahrzeuge lokal kein CO2 aus und auch Lärmemissionen sind deutlich geringer. Das Ziel von einer CO2-freien Stadtlogistik bis 2030 kann ohne die Implementierung von Elektromobilität nicht erreicht werden.

Innovative Innenstadtlogistik

Innovative Innenstadtlogistik anzeigen

Der Einsatz von E-Fahrzeugen im Wirtschaftsverkehr ermöglicht weit mehr als nur einen Wechsel der Antriebsform. Eine ganze Reihe von Projekten beschäftigt sich mit der Frage, wie Elektromobilität als Impuls für neue Logistikkonzepte genutzt werden kann.

In Dortmund wurden Ladezonen für einen Paketdienst entwickelt und das Projekt ELMO zeigt, wie nächtliche Lieferungen in Innenstädten entspannter verlaufen können.

Eine große Rolle kommt dabei der Bündelung von Warenlieferungen auf der letzten Meile, d. h. in städtischen Quartieren, zu. Güter werden selten direkt von einem Versender zum Empfänger transportiert. In der Regel erfolgen auf Unternehmensseite verschiedene Zwischenschritte der sogenannten Konsolidierung. Mehrere Sendungen werden auf einer Tour miteinander kombiniert, um Leerfahrten zu vermeiden und die Wirtschaftlichkeit des Transportvorgangs zu erhöhen.

Aus städtischer Sicht eignet sich Konsolidierung auch, um andere Zielstellungen zu verwirklichen. So kann ein schwerer Lkw noch vor der Einfahrt in sensible innerstädtische Bereiche in ein Güterverteilzentrum umgeleitet werden. Die transportierten Güter werden zusammen mit anderen Sendungen, die das gleiche Ziel haben, auf den Weg geschickt. Den Transport können dann kleinere elektrische Lieferfahrzeuge übernehmen. Damit werden im besten Fall unnötige Lkw-Fahrten vermieden, lokale CO2- Emissionen verringert, die Verkehrssicherheit erhöht und die Infrastrukturabnutzung reduziert.

Kosten langfristig betrachten

Die Wirtschaftlichkeit ist der entscheidende Faktor für Investition in ein Elektrofahrzeug. Wie der Handlungsleitfaden „Elektromobilität in Flotten“ ausführt, kompensieren Elektrofahrzeuge ihre aktuell noch höheren Anschaffungskosten durch geringere Betriebs- und Wartungskosten.

Es empfiehlt sich daher, alle Kosten über den gesamten Nutzungszeitraum zu betrachten. Zu den Initialkosten für die Anschaffung des Fahrzeugs kommen noch Fixkosten, variable Kosten und Mischkosten hinzu. Der Einsatz von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu konventionellen Verbrennern bietet insbesondere Einsparpotenziale bei Kraftstoffausgaben, Steuern sowie Wartungskosten.

Einen Vergleich der Gesamtkosten eines gewerblich genutzten Elektrofahrzeuges zu einem Diesel- oder Benzin-Fahrzeug liefert der Kostenrechner für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge.

Berücksichtigt werden Kosten für die Anschaffung von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur, Kraftstoffen und Strom, Werkstattbesuche, Steuer und Versicherung, Abschreibung für Abnutzung sowie Fahrzeugrestwert.

Der Online-Rechner wurde vom Öko-Institut e.V. im Rahmen der Begleit- und Wirkungsforschung der Schaufenster Elektromobilität entwickelt.

Neben der Gesamtkostenrechnung sollte auch der Imagegewinn eines Unternehmens, der mit dem Einsatz von Elektrofahrzeugen einhergeht, nicht vernachlässigt werden. So kann bspw. ein Taxiunternehmen, das Elektrofahrzeuge mit 100 Prozent regenerativ erzeugtem Strom betreibt, durch das Image als „grünes Taxiunternehmen“ eine höhere mediale Präsenz erlangen und so neue Kunden für sich gewinnen. In der Folge erzielt der Taxiunternehmer ggf. mehr Umsatz als mit einem rein konventionell betriebenen Fuhrpark.

Effizientes Fuhrparkmanagement

Um das Potenzial der vergleichsweise niedrigen Betriebs- und Wartungskosten von Elektrofahrzeugen voll auszuschöpfen und damit die höheren Anschaffungs- bzw. Leasingraten kompensieren zu können, gilt es das Fuhrparkmanagement und die Fahrzeugdisposition zu steuern.

Das Fraunhofer IAO bietet gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der Firma Langmatz seit Anfang 2011 unter der Überschrift „elektromobilisiert.de“ einen Service für Firmen und Kommunen an, der die Integration von Elektrofahrzeugen in bestehende Fuhrparks vorbereitet.

Dieser Service ist in die fünf Stufen Analyse des Fuhrparks, Elektromobilisierungs-Szenarien für den Fuhrpark, Testphase mit Elektro-Fahrzeugen, Schulung der Mitarbeiter und Beschaffungsmanagement unterteilt.


Die EcoLibro GmbH bietet mit dem Programm FLEETRIS ebenso eine umfassende Fuhrparkanalyse mit abgeleiteten Empfehlungen zur Elektrifizierung.