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Gewerbeverkehr

Etwa 30-40 Prozent des Verkehrsaufkommens in Deutschland entfallen heute auf den Gewerbeverkehr - häufig verbunden mit überproportionalen Lärm- und Schadstoffbelastungen. Also Lärm, schlechte Luft, verstopfte Straßen – und das bei wachsendem Lieferverkehr?

Der städtische Wirtschaftsverkehr ist eines der vielversprechendsten Einsatzfelder für Elektrofahrzeuge. Vielerorts sind bereits moderne City-Logistik-Konzepte in der Entwicklung. Für Kommunen eröffnen sich so neue Gestaltungsspielräume für Lebensqualität und Standortattraktivität.

Einsatz- möglichkeiten

Handlungs- empfehlungen

Vorteile

Wirtschaft- lichkeit

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Elektromobilität

Der Wirtschaftsverkehr lässt sich in die Bereiche Güterverkehr und Personen- und Dienstleistungsverkehr gliedern. Je nach Fahrtzweck unterscheidet sich das Anforderungsprofil für die eingesetzten Fahrzeuge.

Auf der BMVI-Fachkonferenz "Elektromobilität vor Ort" wurden Praxiserfahrungen aus Stuttgart vorgestellt und die Bereitschaft der handelnden Akteure besprochen.

Güterwirtschaftsverkehr

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Güterlieferungen - das kann die Warenanlieferung im Supermarkt, die Arzneimittellieferung aus der Apotheke, aber auch die Essenslieferung eines Bestelldienstes sein. Die Wege und Nutzungszeitfenster sind dabei ganz unterschiedlich lang:

Das Segment der Kurier-Express-Paketdienste (KEP-Dienste) ist nicht zuletzt durch den Internet-Versandhandel seit dem Jahr 2000 stark gewachsen und macht einen immer größeren Teil aller Gütereinfahrten in Städten aus. KEP-Dienste transportieren in der Regel Güter mit geringem Gewicht, haben begrenzte Einsatzgebiete und beliefern pro Tour zahlreiche Endkunden. Dieses Einsatzprofil ist besonders günstig für den Einsatz von Elektrofahrzeugen. Zudem stehen die Fahrzeuge nachts auf den Betriebshöfen, hier können die Batterien einfach aufgeladen werden. Auch der Einsatz von sog. Lastenpedelecs breitet sich bei Kurierdiensten immer weiter aus.

Der Werksverkehr umfasst den Transport von Gütern für das eigene Unternehmen. E-Fahrzeuge lassen sich hierfür ebenfalls gut einsetzen, da die meist regelmäßigen Fahrten (zum Beispiel zwischen zwei Unternehmensstandorten) die Planbarkeit der Batterieladevorgänge erleichtern.

Für den Transport deutlich schwererer Güter, wie diese beispielsweise Speditionen transportieren, fehlen derzeit noch reine Elektrofahrzeuge. Für den Zeitraum 2017-2020 sind aber erste Fahrzege angekündigt. Interessant könnte hier hingegen die Nutzung von Fahrzeugen mit Parallel- oder Hybridantrieben in sensiblen Stadtgebieten oder etwa der Einsatz von Brennstoffzellen-Range-Extendern sein.

Personenwirtschafts- und Dienstleistungsverkehr

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Beim Personenwirtschaftsverkehr geht es vor allem um dienstliche Fahrten im Dienstwagen. Unter Dienstleitungsverkehr versteht man den gemeinsamen Transport von Personen und Gütern, zum Beispiel Handwerkerfahrten. Beide zusammen machen über die Hälfte aller Fahrten des Wirtschaftsverkehrs aus.

Je nach Anforderung eines Unternehmens können Elektrofahrzeuge verschiedener Art (Pkw, Pedelecs, E-Scooter) in den Fuhrpark integriert werden oder die Verbrennungsmotoren ersetzen.

Dabei können die Elektrofahrzeuge für Außendienstfahrten, Schülertransporte, medizinische und pflegerische Dienstleistungen oder Service- und Handwerksdienste eingesetzt werden. Kostenvorteile können zum Beispiel Kooperationen mit Carsharing-Anbietern bringen, indem ein Unternehmen E-Carsharing-Fahrzeuge zu bestimmten Zeiten fest bucht.

Problemlagen erkennen...

Beim Güterwirtschaftsverkehrist die Fahrzeugpalette noch übersichtlich - erfährt aber zusehends eine Ausdifferenzierung. Größere Transportfahrzeuge und Lkw werden jedoch häufig auch durch Kooperationen von Fahrzeugherstellern und gewerblichen Kunden umgerüstet. Der hohe Anschaffungspreis von Elektrofahrzeugen amortisiert sich nur langfristig, v.a. bei intensiver Nutzung. Oftmals weisen aber gerade Fahrzeuge im städtischen Wirtschaftsverkehr eher geringe Fahrleistungen auf, d. h. der Anteil verbrauchsabhängiger Kosten ist geringer. Damit wird das stärkste Argument für Elektrofahrzeuge – die geringen Energiekosten – ein Stück weit entkräftet.

... und gemeinsam Maßnahmen entwickeln

Kommunale Problemlagen drehen sich um zunehmende Emissionen und stark frequentierte Innenstädte zu Tages - und Nachtzeiten. Die unternehmerischen Kostenstrukturen können nicht das Einsatzfeld von Kommunen sein, die den E-Wirtschaftsverkehr fördern wollen. Kommunen können im Rahmen ihrer rechtlichen, organisatorischen und budgetären Möglichkeiten Anreize setzen, um die Nutzung von Elektrofahrzeugen im städtischen Wirtschaftsverkehr zu unterstützen.

Als mögliche Ansatzpunkte für Fördermaßnahmen kommen u.a. in Frage:

  • Kommunikation und Information über Einsatz- und Wartungsmöglichkeiten von E-Nutzfahrzeugen in verschiedenen Branchen
  • Branchenvertreter, Standesorganisationen / Verbände dafür gewinnen, dass sie ihre Mitglieder ermuntern
  • Ausprobieren ermöglichen - Testangebote durch kommunale Wirtschaftsförderung und Autohändler anbieten
  • Vermittlung von Fuhrpark- und Wirtschaftlichkeitsanalysen
  • Ideen wie Car-Pooling vermitteln, die die Einsatzmöglichkeiten von E-Fahrzeugen verbessern
  • Regulierung des Wirtschaftsverkehrs
  • Finanzierung oder Aufzeigen von Finanzierungsmöglichkeiten
  • Bereitstellung / Betrieb von E-Fahrzeugen oder Logistikinfrastrukturen
  • Nutzung von E-Fahrzeugen und innovativen Logistiklösungen



    Die Publikation Elektromobilität im städtischen Wirtschaftsverkehr zeigt am praktischen Beispiel Maßnahmen auf, mit denen Kommunen den Wandel unterstützen können.

Der direkte Austausch zwischen Kommune, Unternehmen und Forschung ist eine wichtige Voraussetzung für die Identifizierung oder Entwicklung von geeigneten Förderschwerpunkten und -maßnahmen. Dieser Dialog kann durch eine gezielte Einzelansprache erfolgen oder aber im Rahmen von Arbeitsgruppen wie beispielsweise einem Arbeitskreis Innenstadtlogistik stattfinden.

Für Kommunen ist E-Wirtschaftsverkehr besonders dann interessant, wenn Maßnahmen über den reinen Umstieg von einem Verbrennungsmotor auf einen Elektromotor hinausgehen. Werden städtische Logistikkonzepte neu gedacht, können mitunter gleich mehrere kommunale Zielstellungen auf einmal erreicht werden.

Eine kompakte Übersicht über relevante Fragestellungen im Prozess bietet die Checkliste Gewerbeverkehr.

Bessere Luftqualität und weniger Treibhausgase

Die Umsetzung der Luftqualitätsrichtlinie der EU enthält verbindliche Grenzwerte für den Stickstoffdioxid- und Feinstaubgehalt der Luft. In der Vergangenheit wurden deutsche Städte bereits mehrfach ermahnt, wirksame Maßnahmen zur Erhöhung der Luftqualität umzusetzen. Die in bereits knapp 50 deutschen Städten eingerichteten Umweltzonen zeigten dabei jedenfalls bislang noch nicht in ausreichendem Umfang Wirkungen, und weitere Maßnahmen werden vielerorts erforderlich.

Der Umstieg auf Elektromobilität Teil der Lösung sein kann: Elektrofahrzeuge produzieren lokal keine Abgase und sind zudem wesentlich leiser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Daher kann ihr Einsatz Kommunen dabei unterstützen, die Schadstoff- und Lärmbelastung vor Ort zu reduzieren. Auch ambitionierte Ziele der EU wie die Umsetzung einer CO2-freien Stadtlogistik bis 2030 sind mit Elektrofahrzeugen leichter zu erreichen.

Innovative Innenstadtlogistik

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Der Einsatz von E-Fahrzeugen im Wirtschaftsverkehr ermöglicht weit mehr als nur einen Wechsel der Antriebsform. Eine ganze Reihe von Projekten beschäftigt sich mit der Frage, wie Elektromobilität als Impuls für neue Logistikkonzepte genutzt werden kann.

In Dortmund wurden Ladezonen für eine Paketdienst entwickelt und das Projekt ELMO zeigt wie nächtliche Lieferungen in Innenstädten entspannter verlaufen können.

Eine große Rolle kommt dabei der Bündelung von Warenlieferungen auf der letzten Meile, d. h. in städtischen Quartieren, zu. Güter werden selten direkt von einem Versender zum Empfänger transportiert. In der Regel erfolgen auf Unternehmensseite verschiedene Zwischenschritte der sogenannten Konsolidierung. Mehrere Sendungen werden auf einer Tour miteinander kombiniert, um Leerfahrten zu vermeiden und die Wirtschaftlichkeit des Transportvorgangs zu erhöhen.

Aus städtischer Sicht eignet sich Konsolidierung auch, um andere Zielstellungen zu verwirklichen. So kann ein schwerer Lkw noch vor der Einfahrt in sensible innerstädtische Bereiche in ein Güterverteilzentrum umgeleitet werden. Die transportierten Güter werden jeweils mit anderen Sendungen mit dem gleichen Ziel kombiniert. Den Transport können kleinere, zum Beispiel auch elektrische, Lieferfahrzeuge übernehmen. Damit werden im besten Fall unnötige Lkw-Fahrten vermieden, lokale Emissionen verringert, die Verkehrssicherheit erhöht und die Infrastrukturabnutzung reduziert.

Kosten langfristig betrachten

Die Wirtschaftlichkeit ist der entscheidende Faktor für die Investition in ein Elektrofahrzeug. Wie der Handlungsleitfaden „Elektromobilität in Flotten“ ausführt, können sich die im Vergleich zu einem konventionellen Fahrzeug aktuell noch höheren Anschaffungskosten eines Elektrofahrzeugs durch die niedrigen Betriebskosten bereits teilweise amortisieren.

Es empfiehlt sich daher, alle Kosten über den gesamten Nutzungszeitraum zu betrachten. Zu den Initialkosten für die Anschaffung des Fahrzeugs kommen noch Fixkosten, variable Kosten und Mischkosten hinzu. Ein großes Einsparpotenzial liegt in den Betriebsausgaben für Kraftstoff sowie bei den Steuern. Aber auch bei den Instandhaltungskosten zeichnen sich Kostenvorteile ab: Die Erfahrungen aus der Praxis lassen vermuten, dass Elektrofahrzeuge langfristig deutlich weniger Instandhaltungsaufwand aufweisen werden.

Einen Vergleich der Gesamtkosten eines gewerblich genutzten Elektrofahrzeuges zu einem Diesel- oder Benzin-Fahrzeug liefert der Kostenrechner für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge.

Berücksichtigt werden Kosten für die Anschaffung von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur, Kraftstoffen und Strom, Werkstattbesuche, Steuer und Versicherung, Abschreibung für Abnutzung sowie Fahrzeugrestwert.

Der Online-Rechner wurde vom Öko-Institut e.V. wurde im Rahmen der Begleit- und Wirkungsforschung der Schaufenster Elektromobilität entwickelt.

Neben der Gesamtkostenrechnung sollten auch weitere Nutzeneffekte berücksichtigt werden. Dazu gehören ökologische Effekte wie Reduktion von Emissionen und gesellschaftliche Effekte wie ein Imagegewinn. So kann beispielsweise ein Taxiunternehmen, das Elektrofahrzeuge mit 100 Prozent regenerativ erzeugtem Strom betreibt, durch das Image als „grünes“Taxiunternehmen eine höhere mediale Präsenz erlangen und so neue Kunden erschließen. In der Folge erzielt der Taxiunternehmer ggf. mehr Umsatz als mit einem rein konventionell betriebenen Fuhrpark.

Effizientes Fuhrparkmanagement

Um das Potenzial der vergleichsweise niedrigen Betriebs- und Wartungskosten von Elektrofahrzeugen voll ausschöpfen und damit die höheren Anschaffungs- bzw. Leasingraten kompensieren zu können, gilt es das Fuhrparkmanagement und die Fahrzeugdisposition gut zu steuern.

Das Fraunhofer IAO bietet gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der Firma Langmatz seit Anfang 2011 unter der Überschrift „elektromobilisiert.de“ einen Service für Firmen und Kommunen an, der die Integration von Elektrofahrzeugen in bestehende Fuhrparks vorbereitet.

Dieser Service ist in die fünf Stufen Analyse des Fuhrparks, Elektromobilisierungs-Szenarien für den Fuhrpark, Testphase mit Elektro-Fahrzeugen, Schulung der Mitarbeiter und Beschaffungsmanagement unterteilt.


Die EcoLibro GmbH bietet mit dem Programm FLEETRIS ebenso eine umfassende Fuhrparkanalyse und daraus abgeleitete Empfehlungen zur Elektrifizierung.