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Nutzerzufriedenheit muss Richtschnur beim Aufbau von Ladeinfrastruktur sein

Berlin, 6. Oktober 2020 – Um die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2030 um 55 bis 56 Prozent gegenüber 1990 zu senken, muss der Straßenverkehr schnell „elektrifiziert“ werden. Damit sich mehr Bürger für eine Elektroauto entscheiden, braucht es eine flächendeckende, bedarfsgerechte und zuverlässige Ladeinfrastruktur. Bisher sind die Erfahrungen beim Laden durchwachsen. Um das zu ändern, hat die im Januar 2020 gegründete Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrzeugen als ihre wichtigste Richtschnur für den Ausbau der Ladeinfrastruktur festgelegt.

Die Leitstelle treibt im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums und unter dem Dach der bundeseigenen NOW GmbH den zügigen Aufbau der in der Bundesrepublik benötigten Ladeinfrastruktur voran. Die erste Veröffentlichung der Leitstelle mit dem Titel „Einfach laden – Das Ladeerlebnis als User Journey an öffentlichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge jetzt und 2025“ unterstreicht nun ihren nutzerzentrierten Ansatz.

Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur: „Ein Zielbild, wie es unser Thesenpapier ‚Einfach laden‘ vorgibt, ist das, was bislang im Bereich Ladeinfrastruktur gefehlt hat. Wir haben damit eine entscheidende Lücke geschlossen, sodass nun alle Aktivitäten in dieselbe Richtung laufen können und die Nutzerinnen und Nutzer am Ende profitieren. Diese stehen im Zentrum unserer Arbeit. Ihre Zufriedenheit ist unser Ansporn.“

Download Thesenpapier "Einfach laden" [PDF]

Universelles Konzept für den idealen Verlauf eines Ladevorgangs

Das Laden elektrischer Fahrzeuge an öffentlichen Ladestationen stellt für viele Nutzerinnen und Nutzer eine neue Erfahrung dar, die sich stark vom klassischen Tankvorgang unterscheidet. Bislang liegt kein einheitliches Bild einer „User Journey“ für das Laden von Elektroautos vor. Ebenso gibt es bislang kein universelles Konzept für den idealen Verlauf des Ladevorgangs in der näheren Zukunft. Das Thesenpapier „Einfach laden“ macht nun einen Vorschlag für solch ein universelles Konzept. Es richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter von Bundesbehörden, Ländern und Kommunen sowie an Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer, etwa aus der Energiewirtschaft, Automobilindustrie, Parkraumbewirtschaftung und Branchenorganisationen weiterer Industrien.

Das Thesenpapier skizziert das Ladeerlebnis an öffentlichen Ladestationen jetzt und in der näheren Zukunft. Dazu beschreibt es den gegenwärtigen Ablauf des Ladeprozesses aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer und erfasst technologische Trends mit Blick auf die Entwicklung bis 2025. Perspektiven und Erfahrungen von Nutzerinnen und Nutzern von Elektrofahrzeugen sind ebenso in das Papier eingeflossen wie Erkenntnisse und Prognosen von Automobilherstellern und Ladeinfrastrukturbetreibern.

Das Thesenpapier betrachtet Vorbereitung, Durchführung, Support und Erlebnischarakter beim Laden von Elektroautos. Für das Zielbild der „User Journey“ im Jahr 2025 ergeben sich folgende Schlüsse:

  • Die Durchführung des Ladevorgangs vom Start bis zur Bezahlung wird weiter vereinfacht, vor allem durch Fortschritte in der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation. Damit wird auch bei schlechter Witterung und Dunkelheit ein schneller und bequemer Ladevorgang möglich. Einkaufsmöglichkeiten oder Unterhaltungsangebote im Umkreis der Ladestationen schaffen eine kurzweilige Ladezeit.
  • Der Support verbessert sich, vor allem durch die weitere Verbreitung digitaler Fernwartung, sodass Probleme vor und während des Ladens im Hintergrund gelöst werden.
  • Eine nutzerfreundliche Bedienung und attraktive Standorte steigern die Qualität des Ladeerlebnisses an öffentlichen Ladestationen. Dies lässt sich vor allem an der nahtlosen Integration des öffentlichen Ladens in den Alltag oder die Routenplanung der Nutzerinnen und Nutzer ablesen.
  • Den Nutzerinnen und Nutzern werden künftig bei der Suche nach einer Ladestation erweiterte Navigationsfunktionen zur Verfügung stehen. Die Möglichkeit der Reservierung eines Ladepunktes wird es häufiger geben.

Die Leitstelle entwickelt ihre Pläne für eine nutzerfreundliche öffentliche Ladeinfrastruktur auf der Grundlage dieses Thesenpapiers. Seine Eckpunkte werden beispielsweise bei der Ausschreibung des geplanten bundesweiten 1000-Standorte-Schnellladenetzes und der nächsten Förderrichtlinie für öffentliche Ladeinfrastruktur die Bedingungen mitbestimmen.

Hintergrund

Das Thesenpapier „Einfach laden – Das Ladeerlebnis als User Journey an öffentlichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge jetzt und 2025“ ist das Ergebnis einer Workshop-Serie der Leitstelle mit Automobilherstellern und Ladeinfrastruktur-Betreibern im Frühjahr 2020. Die Teilnehmer brachten ihre Kundenerfahrungen, Erkenntnisse und Annahmen für die technologische Entwicklung bis 2025 ein. Um die Datenbasis des Thesenpapiers durch reale Nutzerinnen- und Nutzererfahrungen zu erweitern, nimmt das Papier in einzelnen Kapiteln auf eine aktuelle Befragung Bezug, die die NOW GmbH beauftragt hat. Diese fand in Form einer digitalen Pilotbefragung mit 124 als Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrzeugen registrierten Personen im Frühjahr 2020 statt. Auch wenn die Erkenntnisse vor allem mit Blick auf die Situation in Deutschland gewonnen wurden, dürften sie auch eine weitreichende Aussagekraft für andere europäische Länder haben, sofern man die länderspezifischen regulatorischen Anforderungen an Ladestationen mit hinzuzieht.