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Kommunale Flotte

Städte und Gemeinden haben die große Chance mit Ihrem eigenen Fuhrpark, Elektromobilität in der Kommune gezielt und beispielhaft voranzutreiben. Auch wenn Kommunen grundsätzlich haushaltsrechtlich an das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit gebunden sind, haben sie gleichzeitig die Möglichkeit, als Auftraggeberin Art und Bedarf der zu beschaffenden Gütern zu bestimmen. Sie können festlegen, welche Umweltstandards ihr Fuhrpark zu erfüllen hat, und so die Beschaffung von E-Fahrzeugen fördern und eine Vorbildfunktion einnehmen.

Beweggründe

Beratungs- Angebote

Einsatz- möglichkeiten

Beschaffungs-prozess

Wirtschaftlich das Klima schützen & Luftqualität verbessern

Emissionsfreiheit, bessere Luftqualität, Imagegewinn und die Möglichkeit, rechtzeitig Erfahrungen sammeln zu können, sind drei wichtige Beweggründe für Kommunen, Elektrofahrzeuge zu beschaffen. Neben der technischen Zuverlässigkeit und der Nutzerfreundlichkeit gehören auch die geringen Verbrauchskosten zu den Beschaffungskriterien.

An der Wirtschaftlichkeit muss der Imagegewinn und Klimaschutz nicht scheitern: Bereits ab einer Jahresfahrleistung von 23.000 km können E-Fahrzeuge günstiger als konventionelle Fahrzeuge sein. Bei steigenden Fahrleistungen steigen auch die TCO-Vorteile weiter an.

Faktoren für einen wirtschaftlichen Einsatz von Elektrofahrzeugen sind somit:

• hohe Jahreslaufleistungen
• hohe Tagesfahrleistung (im Rahmen der jeweiligen Reichweite)
• gleichmäßige/planbare Fahrprofile
• hoher Anteil an Stadtfahrten/Kurzstrecken
• Mehrfachnutzung von Fahrzeugen
• ausreichend lange Standzeiten (z.B. nachts, für Ladevorgang)
• Nutzung von selbsterzeugtem Strom (s. Handlungsleitfaden Elektromobilität in Flotten)

Bei fortschreitender Energiewende wird sich die Klimabilanz der E-Fahrzeuge noch weiter verbessern. Es gilt also den Fuhrpark gründlich zu analysieren und effizient zu steuern.

Beratungsangebote zur Planung

Das Angebot an Beratung für den Kauf und Betrieb von Elektrofahrzeugen wächst. Eine fundierte Beratung setzt bei der Analyse des bestehenden Fuhrparks an und analysiert die Einzelfahrten über einen längeren Zeitraum, z.B. auf Grundlage der Fahrtenbücher. Daraus lassen sich die Substituierungspotenziale von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren durch Elektrofahrzeuge ableiten und unterschiedliche Einsatzszenarien ermitteln. Diese Szenarien berücksichtigen nicht nur Fahrstrecken und Einsatzzwecke, sondern auch die für das (Nach-) Laden erforderlichen Standzeiten.

Eine umfassende Beratung liefern Vergleichsrechnungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und Elektrofahrzeuge unter Einbeziehung von Kauf/Leasing, Betrieb, Wartung und sonstiger Nebenkosten wie bspw. Die Abgabe von Steuer- und Versicherungsbeiträgen (TCO-Betrachtung, TCO = Total Cost of Ownership).

Das Beispiel der Stadt Aachen zeigt wie ein E-Flottenaufbau auf einer strukturierten Bedarfsanalyse gelingen kann.

Effizientes Fuhrparkmanagement

Um das Potenzial der vergleichsweise niedrigen Betriebs- und Wartungskosten von Elektrofahrzeugen voll auszuschöpfen und damit die höheren Anschaffungs- bzw. Leasingraten kompensieren zu können, gilt es, das Fuhrparkmanagement und die Fahrzeugdisposition gut zu steuern.

Das Fraunhofer IAO bietet gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der Firma Langmatz seit Anfang 2011 unter der Überschrift „elektromobilisiert.de“ einen Service für Firmen und Kommunen an, der die Integration von Elektrofahrzeugen in bestehende Fuhrparks vorbereitet.

Dieser Service wird wie folgt unterteilt: Die fünf- Stufen- Analyse des Fuhrparks, Elektromobilisierungs-Szenarien für den Fuhrpark, Testphase mit Elektro-Fahrzeugen, Schulung der Mitarbeiter und das Beschaffungsmanagement.

Die EcoLibro GmbH bietet mit dem Programm FLEETRIS ebenso eine umfassende Fuhrparkanalyse und daraus abgeleitete Empfehlungen zur Elektrifizierung.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für E-Mobile

Für Kurzstreckeneinsätze, Liefer- und Verteilerverkehre, Kontrollgänge oder ähnliche Aufgaben sind Pedelecs oder Elektro-Pkw besonders geeignet.

Elektrische Nutzfahrzeuge für die Landschaftspflege oder die Stadtreinigung bis hin zu Hybrid-Abfallsammlern, tragen erheblich zur Lärmreduzierung und Schadstoffreduktion bei. Gerade die geringe Geräuschentwicklung ermöglicht hinsichtlich gewisser Anwendungen auch einen Einsatz in den Abend- oder Nachtstunden, ohne Beeinträchtigung für die Bürgerinnen und Bürger.

Erhebliche Emissions- und Lärmminderungen bieten Elektrofahrzeuge auch im ÖPNV, wobei die Palette der Fahrzeuge vom Verleihpedelec für die Anschlussmobilität über das elektrische Sammeltaxi bis zum Gelenkzug reicht.

Hybrid-Abfallsammler in Krefeld

Kommunale Sonderfahrzeuge

Zunehmend werden auch Sonderfahrzeuge elektrifiziert. Derzeit sind insbesondere Abfallentsorgungsfahrzeuge und Kehrmaschinen im Fokus. Egal für welche Nutzung, zu bedenken sind immer die folgenden Aspekte:

1. Batterie oder Brennstoffzelle
Als Antrieb für die Sonderfahrzeuge kommen – wie bei PKW auch – zwei Technologien in Frage: Batterie (ggf. mit Range-Extender) oder Brennstoffzelle. Welche Technologie im jeweiligen Kontext besser geeignet ist, hängt unter anderem von der konkreten Einsatzart und dem jeweiligen Fahrprofil ab.

In der Regel bieten die Hersteller eine entsprechende Beratung an, bei der sie Fahrprofil und Anforderungen an das jeweilige Fahrzeug analysieren und anschließend eine Empfehlung für den benötigten Antrieb bzw. die benötigte Batteriekapazität geben.

Zu berücksichtigen ist bei der Wahl des Antriebs, dass die Hersteller von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen mit unterschiedlichen Tankdrücken von 350 bar bzw. 700 bar arbeiten. Diese Entscheidung sollte auch hinsichtlich der verfügbaren H2-Tankinfrastruktur berücksichtigt werden.

2. Infrastruktur mitdenken
Der Aufwand für die benötigte Lade- bzw. Tankinfrastruktur kann je nach Situation unterschiedlich hoch ausfallen. Abhängig vom Fahrprofil muss entschieden werden, ob bereits eine Wallbox mit geringerer Ladeleistung für nächtliche Ladungen von batterieelektrischen Fahrzeugen ausreicht oder ob gegebenenfalls eine Schnelllademöglichkeit mit hoher Ladeleistung gebraucht wird, um einen uneingeschränkten Betrieb zu gewährleisten.

Für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge stellt sich die Frage, ob eine eigene, ggf. mobile Tankinfrastruktur geschaffen oder eine öffentliche mitgenutzt wird. Kommunen, die bereits über eine Müllverbrennungsanlage verfügen, können den biogenen Anteil des Mülls nutzen, um eigenen Strom zu produzieren. Dieser kann wiederum eingesetzt werden, um mit Hilfe eines Elektrolyseurs den benötigten Wasserstoff zu produzieren. Grüner Wasserstoff wird jedoch ausschließlich aus regenerativen Energiequellen produziert.

Wird zur Betankung der Fahrzeuge bereits bestehende öffentliche Tankinfrastruktur genutzt, muss sichergestellt sein, dass Druck des Fahrzeugtanks mit der Tankanlage (350 bzw. 700 bar) kompatibel ist. Zudem muss im Falle größerer Abnahmemengen, geklärt sein, dass diese durch den Tankstellenbetreiber zur Verfügung gestellt werden können.

3. Beschaffungsoptionen: Kaufen, leasen oder umrüsten
Der klassische Beschaffungsweg ist der Kauf von Neufahrzeugen mit elektrischem Antrieb. Daneben gibt es jedoch weitere Möglichkeiten.

Der Verein ”Kommunen in der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg e.V.“ hat mit der „Flotte electric“ ein Angebot geschaffen, dass es ermöglicht die Innovationsprämie in Anspruch zu nehmen, was Kommunen selbst nicht möglich ist. Die günstiger beschafften Fahrzeuge werden dann durch die beteiligten Kommunen vom Verein geleast. Für Kommunen ist das eine attraktive Möglichkeit, da keine große Einmalzahlung geleistet werden muss, sondern die Kosten sich auf einen längeren Zeitraum verteilen.

Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit bestehende Sonderfahrzeuge umrüsten zu lassen. Dabei wird der konventionelle Antrieb entfernt und gegen einen elektrischen Antrieb ausgetauscht. So kann der individuelle Aufbau des Sonderfahrzeugs weiter genutzt werden. Grundsätzlich sind die schwankenden Liefer- und Umrüstzeiten zu bedenken.

Unter dem Projektnamen BLUEPOWER wurden ein Abfallsammelfahrzeug und eine Kehrmaschine mit einem modularen System von Wasserstofftanks und Brennstoffzellen entwickelt und getestet.


Aktuell gibt es in Europa zwei Projekte, die sich mit Wasserstoff-Antrieben für Müllentsorgungsfahrzeuge beschäftigen. Das Projekt REVIVE stattet 15 Müllfahrzeuge mit einem Wasserstoff-Antrieb aus und will deren Alltagstauglichkeit aufzeigen. Das Projekt HECTOR will sieben wasserstoffbetrieben Müllentsorgungsfahrzeuge an verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen an den Start bringen und deren Wirkung auf eine positive CO2-Bilanz aufzeigen.

Umweltziele verankern

Für viele Anwendungsfelder im kommunalen Einsatz sind Elektrofahrzeuge hervorragend geeignet. Gerade bei Kurzstreckenfahrten, bei denen häufig Verbrennungsmotoren nicht einmal auf ihre Betriebstemperaturen kommen und daher überproportional viele Schadstoffe ausstoßen, zahlt sich die Umweltfreundlichkeit von Elektrofahrzeugen besonders aus.

Kriterien wie reduzierte Schadstoffemissionen, verbesserte Luftqualität und erhebliche Lärmverminderung fließen jedoch noch zu selten in die Bewertung bei der Neu- oder Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen ein. Eine stärkere Verzahnung von kommunalen Klimaschutzkonzepten mit der Fuhrparkbewertung würde bereits heute in vielen Fällen die Tür für den Einsatz von Elektrofahrzeugen in kommunalen Flotten öffnen.

Beim Einsatz als Poolfahrzeuge müssen bestehende Dispositionssysteme erweitert werden, um das Laden der Fahrzeuge berücksichtigen zu können. Um die Standzeiten zu minimieren, bietet es sich an, zusätzlich zur voraussichtlichen Einsatzdauer auch die geplante Fahrstrecke vor Fahrtantritt zu erfassen, um den Ladestand der Batterie und damit die vor dem nächsten Einsatz erforderliche Ladedauer abschätzen zu können.

Beschaffungsprozess

Der Beschaffungsprozess für den Fuhrpark unterscheidet sich somit deutlich von der Beschaffung konventioneller Fahrzeuge.

Quelle: Handlungsleitfaden Elektromobilität in Flotten

Der Handlungsleitfaden Elektromobilität in Flotten stellt den Prozess detailliert dar und zeigt kommunale Praxisbeispiele.

In Hamburg wurden bspw. über Leitlinien die vorrangige Beschaffung umweltfreundlicher Pkw im städtischen Beschaffungsprozess verankert: Wenn die tägliche Fahrstrecke in der Regel unter 80 Kilometer beträgt, die Fahrt an Orten beendet wird, an denen eine Lademöglichkeit besteht oder diese hergestellt werden kann und ein Elektrofahrzeug mit der erforderlichen Größe oder Ausstattung verfügbar ist, ist ein E-Pkw vorranging zu beschaffen. Ausnahmefälle, also die Beschaffung von Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor müssen begründet werden.