MenuMenu Suche

Beschaffung der größten Brennstoffzellen-Hybridbusflotte Europas in Köln

Quelle: Regionalverkehr Köln GmbH

Die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) ist für den Busverkehr in der Großregion Köln/Bonn zuständig. Bereits seit vielen Jahren engagiert sich das Unternehmen auf dem Gebiet der emissionsfreien Antriebe für ihre Fahrzeuge im ÖPNV.

  • Ort
    Region Köln/Bonn
  • Förderer
    BMVI, FCH JU „JIVE“
  • Kontakt
    Jens Conrad
    Fachbereichsleiter Alternative Antriebe
    Regionalverkehr Köln GmbH (RVK)

    Theodor-Heuss-Ring 19-21
    50668 Köln

    Telefon: +49 221 1637503
    Telefax: +49 221 16374503

    Mail: Jens.Conrad@rvk.de
    Web: www.rvk.de
    Twitter: twitter.com/RVK_Koeln
  • Partner
    Linde u. a.

Das Projekt

Im Jahr 2018 machte die RVK mit der Bestellung von 30 Brennstoffzellen-Hybridbussen und der Beauftragung von zwei Wasserstoff-Tankstellen einen weiteren Schritt in Richtung Dekarbonisierung des ÖPNV. Ab dem zweiten Quartal 2019 sollen die Busse vom Hersteller Van Hool den Betrieb aufnehmen.

Für den Betrieb der neuen Fahrzeuge wird die RVK zwei Wasserstoff-Tankstellen errichten, eine im Rhein-Sieg-Kreis (Meckenheim) und eine im Rheinisch-Bergischen Kreis (Wermelskirchen).

Standort Meckenheim

  • Standortkapazität: zunächst bis zu 20 Brennstoffzellen-Hybridbusse; spätere Erweiterung möglich
  • Lagerkapazität: 500 Kg Wasserstoff
  • Verschiedene Industriepartner

Standort Wermelskirchen

  • Standortkapazität: zunächst bis zu 20 Brennstoffzellen-Hybridbusse; spätere Erweiterung möglich
  • Lagerkapazität: 800 Kg Wasserstoff
  • Linde als Industriepartner

Die Brennstoffzellen-Hybridbusse fahren rein elektrisch. Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) reagieren in der Brennstoffzelle zu Wasser (H2O) und setzen dabei elektrische Energie frei. Diese wird genutzt, um direkt die Elektromotoren anzutreiben. Beim Bremsen wird über die sogenannte Rekuperation eine Hochvolt-Batterie geladen, deren Energie wiederum beim Anfahren genutzt wird. Die einzige Emission eines Brennstoffzellen-Hybridbusses ist lediglich Wasser bzw. Wasserdampf. Zudem laufen die Busse insbesondere im Vergleich zu konventionellen Bussen sehr geräuscharm.

Förderungen

Die Beschaffung der Busse und Errichtung der Tankstellen wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) mit einer Summe von 7,4 Millionen Euro gefördert. Eine weitere Förderzusage in Höhe von 5,6 Millionen Euro über das EU-Projekt JIVE liegt ebenfalls vor.

Das Gesamtprojekt mit einem Budget in Höhe von rund 18,6 Millionen Euro wird demnach durch Fördermittel in Höhe von rund 13 Millionen Euro gefördert.

Hintergrund

Die RVK verfolgt bereits seit vielen Jahren das Ziel eines emissionsfreien öffentlichen Personennahverkehrs. Zudem produziert die ansässige Chemieindustrie bisher nicht genutzte Mengen an Wasserstoff.

Im Cluster HyCologne haben sich seit 2007 in der Region Köln / Rheinland Vertreter aus Kommunen, kommunalen Betrieben, Industrie und Wissenschaft zusammengeschlossen, um das Thema Brennstoffzellenantriebe bzw. die Verwertung des anfallenden Wasserstoffs voranzubringen.

Ein Ergebnis davon war, dass im Jahr 2011 mit Hilfe einer Förderung durch das Land NRW zwei Brennstoffzellen-Hybridbusse beschafft und als Ergänzung zur bestehenden Dieselflotte eingesetzt wurden. Dies ist zu diesem Zeitpunkt nur gelungen, weil viele Kooperationspartner gemeinsam an der Umsetzung gearbeitet haben. (Vor-)Serienfahrzeuge waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar.

Obwohl die Busse auch im regulären Linienbetrieb eingesetzt wurden, lag der Fokus auf der Evaluierung und Optimierung der Technik und der betrieblichen Abläufe. Dabei zeigte sich die wichtige Erkenntnis, dass die Technologie – trotz einiger Kinderkrankheiten – das liefert, was sie verspricht (z. B. Reichweite, kurze Tankzeiten etc.) und sich die Fahrzeuge in die betrieblichen Abläufe integrieren lassen.

Im Jahr 2014 hat die RVK die zwei ersten Vorserien-Brennstoffzellen-Hybridbusse von Van Hool (Modell A330 FC) beschafft. Deutschlandweit wurden diese Busse erstmalig im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt.

Mit diesen Fahrzeugen sammelte das Unternehmen praktische Erfahrungswerte und bereitete die Anschaffung weiterer Brennstoffzellen-Hybridbusse vor.

Aufgrund der positiven Erfahrungswerte konnten u. a. die kommunalen Eigentümer der RVK davon überzeugt werden, die nötigen politischen Entschlüsse herbeizuführen, um die Flottenausweitung mit Brennstoffzellen-Bussen weiter zu verfolgen. Die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten gegenüber konventionellen Dieselbussen können zum Teil über Förderprogramme kompensiert werden, weshalb Kenntnis und Akquise ebendieser eine erfolgreiche Umsetzung unterstützen.

Ablauf des Projekts

  • Marktanalyse und europaweite Ausschreibung in 2017
  • Beauftragung der H2-Tankstellen im Februar 2018
  • Bestellung der 30 Busse im März 2018
  • Geplante Auslieferung der Fahrzeuge und Fertigstellung Tankstellen im Sommer 2019

Aktueller Stand

Auch nach der Beauftragung gibt es noch hohen Abstimmungsbedarf mit den umsetzenden Unternehmen, insbesondere was die Errichtung der Tankinfrastruktur angeht. Das betrifft z.B. die Einholung der notwendigen (Bau-)Genehmigungen sowie die Einholung der Betriebserlaubnis nach §18 BetrSichV (Vgl. www.h2-genehmigung.de).

Dies ist teilweise eine Herausforderung, da auch auf Verwaltungsebene notwendige Fachkenntnis erst nach und nach aufgebaut wird. Aufgrund der vorangegangenen Projekte kann man hier zum Teil auf Erfahrungen aufbauen.

Ausblick:

Die RVK verfolgt das Ziel, ab 2030 ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zu beschaffen. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die schrittweise Umstellung des Fuhrparks auf Fahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien erfolgen und die benötigte Infrastruktur aufgebaut werden, um zeitnah einen emissionsfreien bzw. klimaneutralen ÖPNV zu realisieren.

Hierbei wird ein technologieoffener Ansatz verfolgt. Aufgrund der Vorteile der Brennstoffzellen-Technologie in puncto Reichweite, Flexibilität und Betankungszeiten sowie der günstigen Rahmenbedingungen (Wasserstoff als Nebenprodukt) in der Region Köln, liegt der Fokus hierbei jedoch aktuell auf Brennstoffzellen-Hybridbussen. Grundsätzlich sind die Investitionskosten von Batteriebussen jedoch geringer.

Herausforderungen

Nach anfänglich intensiver Überzeugungsarbeit auf politischer Ebene, konnte diese mit Fortschreiten des Vorhabens etwas reduziert werden. Dies ist unter anderem auf die öffentliche Wahrnehmung mit Blick auf Luftreinhaltung in Innenstädten und Ähnlichem zurückzuführen. Wichtig ist in jedem Fall eine frühzeitige Einbindung der politischen Entscheidungsträgerzur Sicherung der notwendigen Unterstützung für das Vorhaben.

Aufgrund der Mehrkosten für Fahrzeuge und Infrastruktur ist die Kenntnis über aktuelle Fördermöglichkeiten von großem Mehrwert. Die Umsetzung eines derartigen Vorhabens ohne Förderung ist andernfalls äußerst schwierig.

Die Antriebstechnologie hat ihre Marktreife allmählich erreicht, dennoch gibt es noch verhältnismäßig wenige Anbieter am Markt, die für die Umsetzung in Frage kommen. Die Tendenz ist jedoch deutlich steigend.

Aufgrund der jungen Technologie, zu der es bisher nur vereinzelt Erfahrungswerte gibt, ist es sinnvoll mit einem verhältnismäßig langen Umsetzungszeitraum für ein entsprechendes Vorhaben zu kalkulieren. Auf diese Weise ist es möglich, unvorhersehbaren Ereignissen angemessen Tribut zu zollen.

Wichtige Erfahrungen

Trotz der relativ jungen Technologie sind im Jahr 2019 bereits einige Erfahrungswerte im Bereich Brennstoffzellen-Hybridbusse vorhanden. Kommunen bzw. kommunale Betriebe sollten sich daher umfassend über Technologien, Marktsituation und mögliche Stolpersteine informieren, um von diesen Erfahrungswerten zu profitieren:

  • Vergangene EU-Projekte wie das „CHIC – Clean Hydrogen in European Cities“ stellen ihre Erfahrungen in Form von Veröffentlichungen zur Verfügung.
  • Netzwerke wie z. B. das Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff, Elektromobilität der EnergieAgentur.NRW sind eine gute Anlaufstelle, um über Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. (Kontakt: Dr. Frank Koch, Tel. 0209/167-2816 / (email: koch@energieagentur.nrw text: koch@energieagentur.nrw))
  • Ein intensiver Austausch und eine Vernetzung mit Kollegen, Kommunen, Kommunalen Betrieben u. a. ist hilfreich, um von Erfahrungswerten aus ähnlichen Situationen zu profitieren.
  • Zudem gibt es einen von BMVI und BMUB initiierten Austausch in der sogenannten AG Bus, welche sich übergreifend alternativen Antrieben im ÖPNV widmet (Ansprechpartner Oliver Hoch, NOW GmbH).

Bei der RVK hat sich die Projektpartnerschaft mit der Stadt Wuppertal bei der Beschaffung der Brennstoffzellen-Hybridbusse als sehr wertvoll herausgestellt. Hier wurden parallel bzw. gemeinsam ähnliche Projekte umgesetzt, so dass man gegenseitig von Erfahrungen profitiert hat.