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Der Beschaffungsprozess von E-Bussen in Osnabrück

Das Design der Elektro-Busse in Osnabrück | Foto: Stadtwerke Osnabrück AG

Das Projekt

In Osnabrück sollen bis Mitte der 2020er Jahre alle Busse der Stadtwerke Osnabrück AG mit elektrischem Antrieb unterwegs sein. Die Grundlage für dieses Vorhaben wurde bereits frühzeitig gelegt, denn im Nahverkehrsplan aus dem Jahr 2010 ist genau dieses Szenario vorgesehen: alle Busse sollen elektrisch werden. Im Nahverkehrsplan aus dem Jahr 2013 wurde das Vorhaben bekräftigt und das klare Ziel definiert, dass der ÖPNV der Zukunft elektrisch angetrieben sein muss.

  • Ort:
    Osnabrück
  • Förderer:
    BMVI, Land Niedersachsen
  • Partner:
    VDL Bus & Coach
  • Busse:
    13 batterieelektrische Gelenkbusse „VDL Citea SLFA-181 Electric“
  • Kontakt:
    Joachim Kossow
    Stadtwerke Osnabrück AG
    Projektleiter „Neue Mobilität“
    Alte Poststraße 9
    49074 Osnabrück

    T: 0541 2002-2680
    F: 0541 2002-3136
    Mail: joachim.kossow@stw-os.de

    Web: www.stadtwerke-osnabrueck.de
    mobilezukunft.info/category/oepnv

Hintergrund

Osnabrück gehört zu den Städten im Bundesgebiet, bei denen sich schon frühzeitig abgezeichnet hat, dass es in der Zukunft eine hohe Belastung an Feinstaub bzw. NOx geben wird. Die hohe Laufleistung (durchschnittlich über 60.000 Kilometern /Jahr) von größtenteils dieselbetriebenen Bussen ist für die Emissionen von Feinstaub mitverantwortlich.
In diesem Zusammenhang wurde auf politischer Ebene entschieden, dass der ÖPNV durch elektrische Antriebe zur Lösung der Probleme beitragen und damit eine Vorbildfunktion in der Stadt einnehmen soll.

Um frühzeitig erste Erfahrungen mit E-Bussen zu sammeln, wurde bereits 2011 der erste elektrische Bus mit einer Länge von 7 Metern in Betrieb genommen. Dieser fuhr auf einer speziell angelegten Linie, die auf die Reichweitenkapazitäten des Busses abgestimmt wurde. Die Investition wurde ohne Fördermittel aus dem eigenen Haushalt der Stadtwerke Osnabrück AG gestemmt. Im Jahr 2013 kam ein weiterer, 9 Meter langer E-Bus dazu. Der Betrieb ermöglichte es praktische Erfahrungswerte mit elektrisch angetriebenen Bussen aus erster Hand zu sammeln:

  • Welche Reichweiten sind im realistischen Betriebsszenario möglich?
  • Wie funktioniert das Laden?
  • Wie zuverlässig sind die Busse im alltäglichen Betrieb?
  • Wie funktioniert die Wartung und Instandhaltung der E-Busse.
  • Welche Rahmenbedingungen sind bei der Betriebs-, Dienst- und Umlaufplanung zu berücksichtigen?


    Umgesetzt wird der ÖPNV in Osnabrück durch die Stadtwerke Osnabrück AG, deren Aufsichtsrat mehrheitlich mit Personen aus der Kommunalpolitik besetzt ist. Dadurch gibt es eine enge Verzahnung von politischen Entscheidern und operativer Ebene des ÖPNV. Der Aufsichtsrat hat bereits frühzeitig darauf gedrängt den Nahverkehr nachhaltig weiterzuentwickeln und sich insbesondere im Bereich E-Busse zu engagieren.


    In der Folge wurden seit 2012 keine weiteren Dieselbusse mehr angeschafft. Die dadurch entstandenen Beschaffungslücken wurden mit längeren Laufzeiten der bestehenden Fahrzeuge überbrückt. Das führt auf der anderen Seite dazu, dass in den Folgejahren ein höheres Budget für die Beschaffung von E-Bussen verfügbar ist. Auch unter zeitlichen Gesichtspunkten wurde dieses Vorgehen bewusst gewählt, denn im Jahr 2018 gibt es ein deutlich größeres Marktangebot für elektrisch angetriebene Busse als die Jahre zuvor.


    Herangehensweise


    Da die Beschaffung von E-Bussen eine komplexe Herausforderung ist, hat es insgesamt gut 2,5 Jahre gedauert, um zu klären, was genau gebraucht wird und welche Anforderungen ein passendes Angebot erfüllen muss. Allein das Ausschreibungsverfahren der Stadtwerke Osnabrück AG erstreckte sich daher über ca. ein Jahr. Wichtig war der Stadtwerke Osnabrück AG, dass die Hersteller ein alltagstaugliches Produkt vorweisen können und die Stadt nicht als Teststrecke für ihr Produkt nutzen.


    Aus diesem Grund wurde zunächst ein Teilnahmewettbewerb vorgeschaltet. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Hersteller in der Lage sind ein alltagstaugliches Produkt auf die Straße zu bringen. Im zweiten Schritt folgte ein indikatives Ausschreibungsverfahren: Bei diesem haben die Hersteller zunächst erste, unverbindliche Angebote abgegeben. Für die finale Ausschreibung konnten auf Basis dieser Angebote die Anforderungen an einen Hersteller präzisiert und das eigentliche Lastenheft entwickelt werden. Grundlage des Lastenhefts waren die VDV-Schriften 230 und 230/1, ergänzt um die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur und die Verfügbarkeiten.


    Wichtige Herausforderungen


    Ein wesentlicher Faktor bei der Beschaffung von E-Bussen ist das vorhandene Angebot am Markt. In Deutschland hat die Stadtwerke Osnabrück AG bspw. keinen Anbieter gefunden, der ihre Anforderungen erfüllen konnte. Ein wichtiges Kriterium war u.a., dass die Busse nicht mit großen Batterien ausgestattet sein sollen, die über Nacht geladen werden. Die Stadtwerke Osnabrück AG setzt stattdessen auf schnelles Laden mit hohen Strömen an den jeweiligen Endstationen. Daher hat man den Suchradius erweitert und ist mit verschiedenen Anbietern aus dem europäischen Ausland in Kontakt getreten.


    Eine zweite Herausforderung ist die Entwicklung der Fördermittellandschaft, die sich erst in den vergangenen Jahren immer mehr auf die Unterstützung von elektrisch angetriebenen Bussen angepasst hat. Für die Stadtwerke Osnabrück AG hieß das, dass einige Förderrichtlinien für entsprechende Vorhaben erst im Laufe des Beschaffungsprozesses erlassen wurden.


    Die Stadtwerke Osnabrück AG hat verschiedene Fördertöpfe kombiniert, um möglichst viele Komponenten fördern zu lassen. Diese Zusammenstellung von verschiedenen Fördermitteln musste gut begründet werden, damit Fördermittel nicht als Doppelförderung eingestuft und somit wieder aberkannt werden.


    Erfolge


    Wie bereits genannt: Ein wesentlicher Erfolg für die Stadtwerke Osnabrück AG war, dass es gelungen ist verschiedene Förderprogramme miteinander zu kombinieren, obwohl die Ausschreibung explizit auf ein komplettes E-Bus-System ausgerichtet ist. Der Förderbescheid für die Anschaffung der E-Busse liegt im Jahr 2018 bereits vor und für den Umbau des Betriebshofs sowie den Bau der Ladeinfrastruktur liegt ein vorzeitiger Maßnahmebeginn vor.


    Ein weiterer wichtiger Erfolg für die Stadt ist, dass ein Anbieter gefunden wurde, der ihre spezifischen Anforderungen erfüllt. Und mit der Festlegung auf einen Hersteller lässt sich das Vorhaben der Stadt nun auch besser in der Öffentlichkeit präsentieren, während der Beschaffungsprozess selbst weitgehend hinter den Kulissen ablief. Letztendlich sichtbar wird das Projekt natürlich erst, wenn die neuen E-Busse auf den Osnabrücker Straßen rollen.


    Aktueller Stand


    Anfang 2018 ist die Ausschreibung für das E-Bus-System abgeschlossen und die Stadt hat einen Hersteller für ihr E-Bus-System ausgewählt. Die ersten 13 Gelenk-Busse sind bestellt und bis Ende 2018 soll die erste vollelektrische Linie in Betrieb gehen. Weitere Linien folgen nach und nach.

Im Optimalfall sind bis spätestens 2030 alle Linien auf E-Busse umgestellt. Dabei ist die Stadt nicht ausschließlich auf batterieelektrische Busse festgelegt. Auch die Anschaffung von Bussen mit Brennstoffzellen ist grundsätzlich denkbar.


Förderungen


Während die ersten zwei E-Busse in Osnabrück ohne Förderungen beschafft und in Betrieb genommen wurden, sind für die nun geplante Beschaffung weiterer E-Busse folgende Förderungen beantragt bzw. bewilligt:

  • Fahrzeugförderung durch das Land Niedersachsen (bewilligt)
  • Betriebshofförderung von der Landesnahverkehrsgesellschaft „ÖPNV Flächenprogramm“ (beantragt)
  • Ladeinfrastruktur vom Land Niedersachsen (beantragt)
  • OS (NOx) Verletzungsverfahren: „Sofortprogramm Saubere Luft“ des Bundes (beantragt)


    Wichtige Erfahrungen


    Ein 1:1-Umstieg von Diesel- zu E-Bussen ist aktuell und auf die Schnelle nicht realisierbar. Denn die Umstellung muss nicht nur dem Fahrzeugwechsel selbst, sondern auch der veränderten Tank- bzw. Ladeinfrastruktur bzw. der Reichweite von E-Bussen Rechnung tragen. Daher ist schon vor der Beschaffung eine enge Verzahnung mit der Verkehrsplanung der Stadt wichtig, um den Wechsel der Fahrzeuge passend zum Verkehrskonzept der Stadt umsetzen zu können.

Dieser Austausch ist auch wichtig, damit die Buslinien ihre Strecken möglichst zügig, d. h. innerhalb von kurzen Zeitabschnitten befahren können. So können bspw. Ampelschaltungen für Busse und ihre jeweiligen Routen optimiert werden.

Als hilfreiche Ausgangssituation hat sich herausgestellt, dass die Stadtwerke Osnabrück AG - über die Tochtergesellschaft SWO Netz GmbH - Betreiber der Stromnetze sind. Diese Verknüpfung erleichtert z.B. die Planung und Errichtung der Ladeinfrastruktur für die E-Busse.