MenuMenu Suche

Elektrifizierung der Pflegedienst-Flotte der Diakonie Donau-Ries

Das Projekt

Der Pflegestützpunkt der Diakonie Donau-Ries unterhält insgesamt 19 Fahrzeuge für den mobilen Pflegedienst. Seit Dezember 2018 befinden sich unter diesen Fahrzeugen sechs batterieelektrisch angetriebene Renault Zoe, von denen vier durch die Beschaffungsförderung des Programms Elektromobilität vor Ort des BMVI gefördert wurden.

  • Ort
    Donau-Ries / Herkheim
  • Förderer
    BMVI, BAFA
  • Partner
    Varta
    Matthias Schwarz (Staatlich anerkannter Berater für Elektromobilität (HWK))
  • Ausstattung
    6 E-Fahrzeuge (Erweiterung geplant)
    30 kW Photovoltaik-Anlage
    75 kW Akku-Speicher
    8 Ladesäulen (Wallboxen) mit jeweils 1 Ladepunkte mit bis zu 22 kW
  • Kontakt
    Matthias Schwarz
    Staatlich anerkannter Berater für Elektromobilität (HWK)
    Projektleiter für die Elektrifizierung der Diakonie
    Donau-Ries
    Mühlstr. 23
    86738 Deiningen

    T 09081-25521
    Email: design-muehle@gmx.de

Um darüber hinaus eine gute energetische Eigenversorgung zu gewährleisten, wurde auf dem Dach der Diakoniestation in Herkheim eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 30 kW installiert. Diese wurde über ein Förderprogramm der KfW bezuschusst.

Die Anlage würde bei einer Stunde voller Leistung genügen, um eine Batterie von knapp 30 kWh zu laden. Zum Vergleich: die Batteriekapazitäten für Renault Zoes liegen zwischen 22-41 kWh. Zusätzlich wurde in einen intelligenten 75 kW-Akku-Speicher (siehe unten) investiert, um die Leistung der PV-Anlage optimal nutzen zu können. Zwischen der Früh- und Abend-Tour – und natürlich nachts – werden dann die Fahrzeuge nach Bedarf geladen.

Mit der Anschaffung des siebten und achten Fahrzeugs sowie der Ladeinfrastruktur hat die Diakonie Donau-Ries insgesamt rund 300.000 € in die Elektrifizierung ihres Fuhrparks investiert.

Herangehensweise

Bereits im Jahr 2014 hat die Pflegestation ihren Weg in Richtung Elektromobilität eingeschlagen. Der staatlich anerkannte Berater für Elektromobilität (HWK) Matthias Schwarz ist im Rahmen seiner Ausbildung zum Fachberater, welche im damaligen Schaufenster Bayern Sachsen ins Leben gerufen und gefördert wurde, auf die Diakonie zugegangen und konnte den Geschäftsführer Johannes Beck für die Idee der Elektrifizierung der Diakonie-Fahrzeugflotte gewinnen.

Dazu wurden zunächst die bestehenden Routen der Mitarbeitenden erfasst bzw. die Fahrtenbücher ausgewertet und hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit analysiert. Dabei zeigte sich, dass die positiven Effekte der Umstellung auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge deutlich überwiegen.

Die beiden wichtigsten Argumente für die Entscheidung waren einerseits emissionsfreien Fahrzeuge, d.h. keinerlei Schadstoffe oder CO2 werden emittiert, andererseits aber auch wichtige wirtschaftliche Vorteile. Die Investitionskosten für die Fahrzeuge, die Photovoltaikanlage und den Speicher sind so kalkuliert, dass sie sich innerhalb von circa 36 Monaten amortisieren. Damit bringt die Elektrifizierung der Flotte neben den ökologischen Vorteilen auch klare wirtschaftliche Argumente mit sich.

Im Jahr 2015 war das Konzept fertig entwickelt und die Diakonie fällte die Entscheidung für die Umsetzung. Da die Voraussetzungen des Konzepts mit den Kriterien der Beschaffungsförderung des BMVI übereinstimmten, wurden im nächsten Schritt ein entsprechender Antrag geschrieben. Insgesamt wurden Fördermöglichkeiten von zwei Aufrufen genutzt.

Im November 2016 erhielt die Diakonie ihren Förderbescheid für die ersten vier Fahrzeuge, die dann sukzessive beschafft wurden. Zwei zusätzliche e-Fahrzeuge wurden über Eigenmittel und Sponsoring beschafft. Im März 2019 erging der zweite Förderbescheid über die Förderung von zwei weiteren Fahrzeugen.

Aktueller Stand

Zusätzlich zur bestehenden Flotte hat die Diakonie im August 2018 einen weiteren Förderantrag im Rahmen des „Sofortprogramm Saubere Luft“ (BMVI) gestellt. Im März 2019 kam die Zusage: es werden zwei weitere Fahrzeuge (Ein VW e-load up! und ein Peugeot iOn) sowie bis zu 8 Ladepunkte mit einer Ladeleistung von > 11 kW gefördert.

Darüber hinaus wurde für zwei Fahrzeuge der Umweltbonus in Höhe jeweils von 2.000 € des BAFA in Anspruch genommen.
Aufgrund der aktuellen Verfügbarkeit, hofft die Diakonie, dass die Fahrzeuge im Laufe des Jahres 2019 beschafft werden können. Wenn das nicht der Fall ist, müsste geprüft werden, ob alternative Fahrzeuge im Rahmen der Förderung beschafft werden können oder ob eine Laufzeitverlängerung der Förderung möglich ist. Ansonsten würden die beantragten Fördermittel verfallen.

Im nächsten Schritt sollen zwei weitere E-Autos angeschafft werden, so dass insgesamt 10 E-Fahrzeuge in der Flotte verfügbar sind. Zusätzlich soll die Leistung der Photovoltaik-Anlage weiter erhöht werden.

Herausforderungen

Der vorhandene Hausanschluss (> 40 kW) kann ohne einen entsprechenden Ausbau mit steigender Zahl an E-Fahrzeugen zunehmend an seine Grenzen kommen. Durch die Versorgung mit Solarstrom kann der Hausanschluss deutlich entlastet werden. Zusätzlich wurde die Ladeleistung bis auf 4x14 A und 2x10 A begrenzt.

Der intelligente Speicher
sorgt mit Hilfe eines dynamischen Lastmanagements für eine zusätzliche Optimierung der vorhandenen Strom-Ressourcen.

Bereits zu Beginn der Umsetzung hat der Diakonie-Verband Gespräche geführt und sich für ein hochmodernes Akku-Speichersystem entschieden. Das System stammt von der Varta AG, die zudem einen Preisnachlass für das System von knapp 50% im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojektes gewährt hat.

Durch die intelligente Steuerung werden die Ladevorgänge zeitlich und bzgl. der Ladeleistung so über den Tag verteilt, dass der Hausanschluss möglichst wenig bis gar nicht in Anspruch genommen werden muss.

Neben dem positiven Effekt für die CO2-Bilanz, kann so auch der teure Ausbau des Hausanschlusses vermieden werden.
In der Anfangszeit gab es Unsicherheiten, ob der Akku der Fahrzeuge auch für längere Touren ausreichend ist. Insbesondere im Winter – mit eingeschalteter Heizung – ist der Leistungsbedarf höher. Aus diesem Grund wurden unter anderem zwei Fahrzeuge mit einem größeren Akku und damit größerer Reichweite beschafft. Diese werden von den Mitarbeitenden vorrangig für längere Touren eingesetzt.

Da die Fördergelder immer erst zeitversetzt ausgezahlt werden, müssen die Antragsteller für die Investitionskosten in Vorleistung gehen. Diese Kosten müssen im jeweiligen Haushaltsjahr berücksichtigt werden, damit die Investition getätigt werden kann. Schwierig wird es, wenn sich Förderbescheide länger hinziehen – insbesondere über das Jahresende hinweg – da die Beträge dann häufig in ein anderes Rechnungsjahr fallen.

Erfolge

  • Deutliche Verbesserung der CO2-Bilanz
  • Durch Strom-Eigenversorgung fährt die Diakonie von März bis Oktober nahezu CO2-frei.
  • Rund 1000 € Einsparungen an Personalkosten pro Jahr und pro Fahrzeug, weil Mitarbeitende die Fahrzeuge nicht mehr zum Tanken fahren müssen. Die Tankstelle vor der eigenen Tür zu haben, ist eine große Erleichterung im Arbeitsalltag. Vor allem, wenn viele Touren außerhalb der Stadt (und damit fernab der nächsten Tankstelle) gefahren werden.
  • Die Mitarbeitenden haben sich schnell an neue Fahrzeuge gewöhnt. Auch dank Schulungen mit den Fahrzeugen. Die attraktive E-Flotte kann sogar zur Mitarbeiterzufriedenheit bzw. -bindung beitragen.
  • Deutliche Reduzierung von Energie- und Servicekosten (bis zu 2000 € / Jahr und Fahrzeug)

Wichtige Erfahrungen

Die effiziente Nutzung des jeweiligen Hausanschlusses mit begrenzten Ressourcen wird zunehmend wichtig für alle kleineren Fuhrparkbetreiber, die in die Elektrifizierung ihrer Flotte investieren wollen. Auch bei Tiefgargen und Wohneigentümergemeinschaften sind dieses Thema und insbesondere praxiserprobte Lösungsansätze von zunehmendem Interesse.

Um neue E-Fahrzeuge – auch aus wirtschaftlicher Sicht - optimal nutzen zu können, erhielten die Mitarbeitenden des Pflegedienstes intensive Schulungen. Diese dienten einerseits dazu sich mit den neuen Fahrzeugen sowie den Ladevorgängen vertraut zu machen. Darüber hinaus gab es Hilfestellungen, um den Fahrstil an die ungewohnt hohe Beschleunigung der Fahrzeuge und die vorhandenen Akku-Ressourcen anzupassen.