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Gemeinsame Beschaffung - Unternehmensinitiative ELMO / ASB - Ambulante Pflege GmbH in Bremen

Ähnlich wie bei öffentlichen Einrichtungen fehlen auch bei kleineren Unternehmen oft die notwendigen Ressourcen und Kompetenzen, um sich eigenständig in ausreichendem Umfang mit den Chancen und Herausforderungen zu befassen, die mit der Integration von Elektromobilität in den Fuhrpark zusammenhängen. Daher haben sich in Bremen ca. 90 Unternehmen zu einer Elektrofahrzeug-Flotteninitiative zusammengeschlossen, um gemeinsam den Einstieg in die Elektromobilität voranzutreiben – unter anderem die ASB – Ambulante Pflege GmbH.

  • Unternehmensinitiative UI Elmo
    Konsortialführer: Nehlsen AG
  • Gesamtzahl Fahrzeuge der Beschaffungsinitiative:
    ca. 130 (verschiedene Fahrzeugklassen und Modelle, überwiegend Kleinstwagen)
  • Verwendete Betreibermodelle:
    Fahrzeug- und Batterieleasing (teilweise anschließender Kauf geplant)

Unternehmensinitiative UI ElMo

Ziele
Die Kommunen, mit denen das Entsorgungsunternehmen Nehlsen AG zusammenarbeitet, legen zunehmend Wert auf Umweltschutz und möglichst geringen Ressourcenverbrauch. Daneben wollte die Nehlsen AG den Aufbau eines Ladeinfrastrukturnetzes im Raum Bremen vorantreiben und Erkenntnisse über Kostenoptimierungen in großen Flotten sammeln.

Entstehung und Merkmale der Initiative
Bei der Suche nach Möglichkeiten für den Aufbau von Ladeinfrastruktur konnte die Nehlsen AG vier Konsortialpartner gewinnen. Das Konsortium überzeugte ca. 90 Unternehmen aus dem Raum Bremen, sich an einer überbetrieblichen Flotteninitiative zu beteiligen. Für diese Initiative beantragte das Konsortium eine Förderung aus dem Modellregionen Elektromobilität-Programm. Im Oktober 2012 erfolgte die Förderzusage. Die Initiative erhielt den Namen UI ElMo (Unternehmensinitiative Elektromobilität). Schwerpunkt des Projekts ist der integrierte Ansatz von Fahrzeugbeschaffung und Ladeinfrastrukturnetzaufbau. Die Beschaffung der Fahrzeuge wird zu 50 Prozent bezuschusst, die Beschaffung und der Aufbau der Ladestationen zu 40 Prozent. Daneben werden auch die Versicherung der Fahrzeuge und Teile der Netzeinbindung gefördert. Auf diese Weise ist das Projekt für die Konsortialpartner und für die Mitgliedsunternehmen der Initiative auch wirtschaftlich attraktiv.

Die Beschaffung eines Elektrofahrzeugs über die Initiative ist an die Vorgabe geknüpft, gleichzeitig einen Ladepunkt pro beschafftem Fahrzeug bereitzustellen. Die auf diesem Wege geschaffenen Lademöglichkeiten sollen gemäß Projektvorgabe zudem jeweils von allen Unternehmen der Flotteninitiative genutzt werden können. Die Beschaffungsrichtlinie des Konsortialführers Nehlsen AG sah vor, Serienfahrzeuge zu beschaffen. Auf diese Weise sollte der administrative Aufwand begrenzt werden. Darüber hinaus wurde eine Mindestreichweite von 80 Kilometern vorgegeben. Die UI ElMo-Teilnehmer erhielten eine Liste mit acht Fahrzeugmodellen, die zu diesem Zeitpunkt (Ende 2012) auf dem Markt verfügbar waren. Anschließend holten sie bei den Fahrzeughändlern Angebote ein und reichten diese an den Konsortialführer weiter, der die Fahrzeuge anschließend beschaffte.

In Nutzungsverträgen, die der Konsortialführer mit den Initiativenmitgliedern abschloss, wurde vereinbart, welche Ladeinfrastruktur installiert werden sollte. Leasingnehmer, Fahrzeughalter und Versicherungsnehmer ist der Konsortialführer. Die Kosten werden an die UI ElMo-Mitglieder weitergereicht, wobei der Förderungsbetrag zuvor abgezogen wird. Die ersten Fahrzeuge wurden um den Jahreswechsel 2012/2013 beschafft. Die Initiative schafft für die einzelnen teilnehmenden Unternehmen neben dem förderungsbedingten Kostenvorteil vor allem organisatorische Vorteile. So nutzt der Konsortialführer Kontakte zu Fahrzeugherstellern und -händlern, um bessere Beschaffungsbedingungen sicherzustellen als dies den einzelnen Mitgliedern allein möglich wäre. Beispielsweise reservierte ein Fahrzeughändler 30 Fahrzeuge für die Initiative nachdem die Nehlsen AG dem Händler die Abnahme dieser 30 Fahrzeuge in Aussicht stellte. So gelang es, sehr schnell eine nennenswerte Anzahl an Fahrzeugen auf die Straße zu bringen. Bereits nach neun Monaten war mit über 30 Elektrofahrzeugen ein Meilenstein erreicht. Beim Konsortialführer entsteht durch das Projekt ein Bearbeitungsaufwand im Wert von drei Vollzeitstellen (Koordination mit Herstellern, Fahrzeughändlern, Einzelrechnungen für sämtliche Fahrzeuge der Initiative, Administration des gesamten Projekts).

Per November 2014 sind im Zuge des Projekts im Raum Bremen ca. 140 Ladestationen mit über 250 Ladepunkten (davon etwa die Hälfte schnellladefähig) aufgebaut worden. Daneben sind ca. 130 Fahrzeuge (ausschließlich Pkw) beschafft worden. Zunächst konnten die Fahrzeughersteller der hohen Nachfrage der UI ElMo-Mitglieder nicht entsprechen. Daraufhin wurde das Projekt verlängert. Statt der ursprünglich geplanten 36 Monate beträgt die Projektlaufzeit nun 45 Monate (bis Sommer 2016). In derzeit 60 Fahrzeugen der Beschaffungsinitiative hat das Begleitforschungsinstitut Datenlogger verbaut, um die Fahrprofile aufzuzeichnen und dadurch Aufschluss über die Eignung der Elektrofahrzeuge für verschiedene Einsatzzwecke zu erhalten.

ASB – Ambulante Pflege GmbH

Strategie/Ziele
Der Arbeiter-Samariter-Bund Bremen (ASB – Ambulante Pflege GmbH) möchte die Fuhrparkkosten senken sowie den Fuhrpark gleichzeitig modernisieren und attraktiv für Mitarbeiter gestalten. Dies soll unter anderem dazu beitragen, angesichts der im Pflegebereich angespannten Personalsituation junges und engagiertes Personal zu gewinnen und langfristig zu binden.

Fuhrparkanalyse
Etwa 120 der insgesamt 172 Mitarbeiter aller vier Bremer ASB-Standorte nutzenfür ihre Arbeit die 28 Poolfahrzeuge oder ihre Privatfahrzeuge. Derzeit werden ca. 45 Privatfahrzeuge dienstlich eingesetzt. Über eine Betriebsvereinbarung erhalten die Mitarbeiter 30 Cent pro Kilometer für den betrieblichen Einsatz ihres Privatfahrzeugs. Die Fahrzeugdaten werden von den Pflegedienstleiterinnen der vier Bremer ASBStandorte gesammelt. Die Geschäftsführung wertet die Daten halbjährlich aus und nimmt auf dieser Basis eine Kostenkalkulation vor. Jedes Fahrzeug hat eine eigene Kostenstelle und ist deshalb separat auswertbar. Sämtliche Poolfahrzeuge sind morgens im Einsatz, während der übrigen Zeiten jedoch in der Regel nicht voll ausgelastet.

Eigene Stellplätze stehen dem ASB nur an zwei der vier Standorte zur Verfügung (Bremen Nord: drei gemietete Stellplätze, Bremen Ost: sieben gemietete Stellplätze). Zusätzlich zu den Pkw betreibt der ASB zwei Pedelecs für den Einsatz an Stellen, die mit dem Pkw schwer oder nur mit Umwegen erreichbar sind (Fußgängerzonen, Einbahnstraßen etc.). Zweithöchster Kostenfaktor nach den Personalkosten (80 % der Kosten) ist beim ASB die Mobilität (6 %). So fallen im Monat ca. 4.500 bis 5.000 Euro Benzinkosten an. Die Kaufpreise der konventionellen Poolfahrzeuge liegen bei ca. 7.000 Euro (Jahreswagen) bis 10.000 Euro (Neuwagen). Die Fahrzeuge werden gekauft, da der ASB als gemeinnütziges Unternehmen damit den Firmenwert stabilisieren kann. Sie tragen entscheidend zur Bilanzgröße (ca. 600.000 Euro pro Jahr) und zum Umsatz (ca. 3,6 Millionen Euro) bei.

Die Fahrzeuge haben je nach Standort eine Jahreslaufleistung zwischen 8.000 und 40.000 Kilometern und werden durchschnittlich acht Jahre lang eingesetzt. Einige Modelle der vom ASB ursprünglich genutzten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor waren bei den Mitarbeitern unbeliebt. Im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Gesundheitsförderung im Pflegebereich schnitten manche ASB-Fahrzeuge relativ schlecht ab (Testkriterien u.a.: Unfallsicherheit, Sitzkomfort, Schaltvorgänge). Dies bestärkte den ASB darin, den Fahrzeugpool zu modernisieren und bei dieser Gelegenheit verstärkt auf alternative Antriebe zu setzen.

Die Disposition der Fahrzeuge wird an jedem der vier Standorte von einem Einsatzplaner vorgenommen. Für die Fahrzeugbuchung wird dabei eine Pflegedienstsoftware verwendet, die u.a. auch eine Fuhrparkverwaltung bietet. Die Fahrzeuge werden fest einer Tour zugeordnet.

Bedarfsorientierte Fuhrparkkonfiguration
Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, auf Dauer weniger Privatfahrzeuge der Mitarbeiter einsetzen zu müssen und stattdessen den Pool auszubauen. Nur auf diese Weise ist derzeit die verstärkte Nutzung von Elektrofahrzeugen möglich, denn aufgrund des niedrigen Gehaltsniveaus im Pflegebereich und der hohen Initialkosten für Elektrofahrzeuge ist es momentan unwahrscheinlich, dass Mitarbeiter privat Elektrofahrzeuge beschaffen.

Beschaffungskriterien
Auf den mittleren und längeren Pflegedienst-Touren sind bis zu 28 Pflegeeinsätze (Kunden) enthalten. Es werden also Fahrzeuge benötigt, die gut für viele Kurzstrecken im Stadtverkehr geeignet sind. Daher achtete der ASB bei der Festlegung der Beschaffungskriterien insbesondere auf das Handling (Servolenkung, komfortabler Ein-/Ausstieg, Wendigkeit, Nutzbarkeit möglichst vieler Parkgelegenheiten etc.) und auf einen möglichst geringen Verbrauch und Verschleiß unter den Stopand-go-Bedingungen des Kurzstrecken- Stadtverkehrs. Anhand dieser Kriterien legte das Unternehmen fest, dass batterieelektrische Kleinstwagen beschafft werden müssen. Zum Laden der Fahrzeuge sollten am Standort Bremen Ost eine Ladesäule sowie am Standort Bremen Nord zwei Wallboxen installiert werden. Vorab klärte das Unternehmen mit dem Netzbetreiber die Stromversorgungskapazität an den betroffenen Standorten.

Finanzierung und Förderung; Beschaffung
Ohne die Fördermittel (ca. 40 %) wäre für den ASB die Anschaffung von Elektrofahrzeugen nicht finanzierbar gewesen. Der Grund dafür liegt jedoch nicht nur in den höheren Initialkosten. Auch Rahmenverträge, die der ASB-Dachverband mit verschiedenen Herstellern abgeschlossen hat bewirken, dass die konventionellen Fahrzeuge im Vergleich zu Elektrofahrzeugen deutlich geringere Initialkosten aufweisen: Gemäß dieser Verträge erhalten die lokalen ASB-GmbHs auf konventionelle Fahrzeuge Preisnachlässe von bis zu 17 Prozent. Für Elektrofahrzeuge bestehen solche Rahmenverträge noch nicht. Anfang 2013 wurden vom Konsortialführer drei batterieelektrische Kleinstwagen gemäß der Beschaffungskriterien des ASB geleast. Der ASB plant fest, die im Leasingvertrag festgehaltene Kaufoption einzulösen.

Parallel dazu beschaffte der Konsortialführer Ladeinfrastruktur für den ASB: Für den Standort Bremen Nord wurden zwei-Wallboxen beschafft. Da das Unternehmen dort mehrere Parkplätze gemietet hat, wardie Installation der Box unproblematisch. Am Standort Bremen Ost wurde nur eine Ladesäule auf den gemieteten Stellplätzen installiert. An den Standorten Mitte und West, die sich in Wohnquartieren befinden, besteht mangels eigener Stellplätze keine Möglichkeit zur Installation eigener Ladeinfrastruktur. Aufgrund des großen Abstands der nutzbaren Stellplätze zum Standort können auch keine Haushaltsanschlüsse genutzt werden (s. auch Fuhrparkorganisation). Zusätzlich zur Beschaffung der drei UI ElMo-Fahrzeuge wurde mit einem assoziierten Carsharing-Unternehmen eine Vereinbarung über die Nutzung eines Sharing- Elektrofahrzeugs getroffen. Die Vereinbarung garantiert dem ASB die Nutzung in den Pflegespitzenzeiten. Fahrzeuge werden nach Dienstschluss oder an Wochenenden und Feiertagen für Dritte freigegeben.

Change Management
Motivation und Schulung:
Die ASBGeschäftsleitung richtete sich mit ihrem Vorhaben, Elektrofahrzeuge in den Fuhrpark zu integrieren, frühzeitig an die Mitarbeiter. Bei der Entscheidung, welche Fahrzeuge schließlich beschafft werden sollten, wurden die Mitarbeiter ebenfalls eingebunden. So wurden etwa vor der Beschaffung mit den Pflegedienstleitern Testfahrten mit verschiedenen Fahrzeugmodellen durchgeführt. Bei der Inbetriebnahme der Fahrzeuge wurden die Mitarbeiter von Herstellervertretern eingewiesen. Auch wurden sie gezielt dazu angehalten, möglichst oft die Elektrofahrzeuge zu nutzen (persönliche Gespräche, Mitarbeiterzeitung). So sollte über die hohe Laufleistung die Effizienz der Fahrzeuge im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor erhöht werden. Die Rückmeldungen der Mitarbeiter zu den Elektrofahrzeugen erreichen die Geschäftsleitung im Rahmen der regelmäßigen Dienstbesprechungen und durch die Mitarbeiterbefragungen, die alle zwei bis drei Jahre in Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut durchgeführt werden.

Nutzerakzeptanz:
Insgesamt werden die Elektrofahrzeuge von den Mitarbeitern gut angenommen. Sehr positiv sehen sie die Möglichkeit, diese vor Antritt einer Fahrt vorzuheizen. Insbesondere für Frühschicht-Mitarbeiter ist das ein Komfortgewinn, da Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aufgrund der kurzen Strecken (einige Hundert Meter bis zu wenigen Kilometern) im Laufe einer Schicht nur sehr langsam warm werden. Daneben fallen den Mitarbeitern vor allem das fehlende Motorengeräusch und die schnelle Beschleunigung positiv auf. An den beiden Standorten, an denen das Unternehmen Elektrofahrzeuge einsetzt, werden diese jedoch unterschiedlich gut angenommen. Die Pflegedienstleitung und das Team am Standort Bremen Nord sind jung und haben sich sehr schnell mit den Elektrofahrzeugen identifiziert. Am Standort Bremen Ost werden die Elektrofahrzeuge weniger gut angenommen. Die Zahl der dort stationierten Mitarbeiter (ca. 50 Mitarbeiter) ist deutlich höher als am Standort Nord (ca. 30 Mitarbeiter). Daher arbeitet die Pflegedienstleitung des Standorts an der Belastungsgrenze und kann sich nicht intensiv um die Integration der Fahrzeuge kümmern. Sie ist jedoch für alle Fach- und Dienstaufsichtsangelegenheiten haftbar und verantwortlich. Nach Einschätzung der Geschäftsleitung trägt zusätzlich auch das höhere Durchschnittsalter der Mitarbeiter wesentlich dazu bei, dass die Haltung gegenüber den Elektrofahrzeugen eher ablehnend ist. An den Elektrofahrzeugen werden vor allem das stufenlose Getriebe sowie das bei Regen unangenehme Anschließen und Verstauen des Ladekabels kritisiert. Bisher haben sich lediglich zwei der über 50 Mitarbeiter am Standort Ost im Buchungssystem des assoziierten Carsharing-Unternehmens angemeldet, um dessen Fahrzeug für die Dienst-Touren zu nutzen. Die meisten Mitarbeiter am Standort Bremen Ost bevorzugen die konventionellen Fahrzeuge.

Außenwirkung:
Der Geschäftsführer des ASB Bremen hat die Erfahrungen des ASB in mehreren Fachartikeln über den Einsatz von Elektrofahrzeugen im Pflegebereich dargestellt. Dabei sind insbesondere die Erfahrungen des ASB mit dem assoziierten Carsharing-Unternehmen auf großes öffentliches Interesse gestoßen. Auch bei Anlässen, wie etwa Tagen der offenen Tür, an denen die Fahrzeuge ausgestellt werden, ist die Resonanz positiv. Das Unternehmen erhält regelmäßig Rückmeldungen, denen zufolge es durch den Einsatz der Elektrofahrzeuge als modern und innovativ wahrgenommen wird. Dieses positive Image ist auch angesichts der starken Konkurrenz um junge Arbeitskräfte auf dem Pflegemarkt wichtig.

Fuhrparkorganisation
Datenerhebung zu Analysezwecken:

Die Energiekosten können über die Ladesäulen- bzw. Wallbox-Anschlüsse ermittelt werden. Analog zur Datenerhebung bei den konventionellen Fahrzeugen (s. Fuhrparkanalyse) nimmt die Geschäftsführung für die Elektrofahrzeuge eine halbjährliche Auswertung und Kostenkalkulation vor. Datenlogger werden zur Aufzeichnung der Fahrzeugdaten nicht eingesetzt. Die Daten des vom ASB genutzten Carsharing-Fahrzeugs können über die Plattform des assoziierten Carsharing-Unternehmens abgerufen werden.

Disposition:
Mit Hilfe der eingesetzten Dispositionssoftware (s. Fuhrparkanalyse) können die Einsatzplaner steuern, welchen Mitarbeitern die Elektrofahrzeuge zugeteilt werden. Das Fahrzeug des externen Carsharing-Anbieters wird auf dessen Buchungsplattform gebucht. Mit dem Carsharing-Fahrzeug werden gegebenenfalls Spitzenauslastungen abgedeckt. Es wird kostenlos auf einem Stellplatz des ASB abgestellt und an der ASB-Ladesäule geladen. Im Gegenzug ist es während der morgendlichen Hauptpflegezeit für den ASB reserviert.

Laufleistung:
Durch die größere Nutzerakzeptanz am Standort Nord (s. Change Management) werden die Elektrofahrzeuge dort mehr genutzt und können deutlich günstiger betrieben werden als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die auch zur Flotte gehören. So erreichten die beiden Elektrofahrzeuge des Standorts Nord in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 Laufleistungen von 20.000 bzw. 18.000 Kilometern. Dadurch erreichen sie bei einem Energiekostenpreis von zwei bis drei Cent pro Kilometer Vollkosten von 15 bzw. 18 Cent pro Kilometer (vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor der Flotte: 10-15 ct/km Energiekosten und 25-40 ct/km Vollkosten). Da die Beschaffung der Elektrofahrzeuge teilweise aus Fördergeldern finanziert wurde, müssten jedoch auf die Gesamtkostenrechnung bei ungeförderter Beschaffung ca. 30 Prozent für höhere Abschreibungen aufgerechnet werden. Am Standort Ost wird mit dem Elektrofahrzeug aufgrund seiner geringeren Laufleistung (01/2014 bis 09/2014: 9.000 km) auch nach Förderung kein nennenswerter Kostenvorteil gegenüber den Fuhrparkfahrzeugen mit Verbrennungsmotor erreicht (Vollkosten: 26 ct/km; vgl. auch Abb. 4.29). Das Elektrofahrzeug des assoziierten Carsharing- Unternehmens am Standort Ost wurde nur an jedem vierten der gebuchten Tage genutzt. Auch wenn das Fahrzeug nicht genutzt wird, muss der ASB für dessen Reservierung jedoch den Corporate-Carsharing-Tagessatz von 6,50 Euro zahlen.

Reichweite:
Die Reichweite der Fahrzeuge ist bisher ausreichend. Da es angesichts der teils schwerbehinderten Pflegedienstkunden hochproblematisch wäre, wenn während einer Pflegedienst-Tour ein Fahrzeug defektbedingt ausfiele, werden die Fahrzeuge während der kühleren Jahreszeiten sicherheitshalber nicht für längere Touren eingeplant. Grund dafür sind die Erfahrungswerte, die der ASB im Winter 2013/2014 machte, als die Reichweite der Fahrzeuge auf etwa 80 bis 90 Kilometer zurückging, obwohl der Winter vergleichsweise mild war (Reichweite im Sommer: im Durchschnitt deutlich über 100 Kilometer).

Ladeinfrastruktur:
Zum Laden der Fahrzeuge nutzt der ASB vor allem die eigene Ladeinfrastruktur. Aufgrund der fehlenden technischen Voraussetzungen (alte, für die hohe Schnellladungsenergie nicht geeignete Stromleitungen) können die Fahrzeuge an den Ladestationen am Standort Nord nicht schnellgeladen werden. Im Stadtgebiet Bremen wurden ca. 20 öffentliche Ladesäulen vom örtlichen Energieversorger installiert. Die Säulen sind für die Ladekarten der UI ElMo- Mitglieder freigeschaltet.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur muss vom ASB jedoch kaum in Anspruch genommen werden, da die Fahrzeuge bei jeder Rückkehr zum Standort nachgeladen werden. Auf diese Weise ist auch ein Mehrschichtbetrieb möglich, ohne auf die öffentliche Ladeinfrastruktur zurückgreifen zu müssen. Die Kosten für die Beschaffung, Installation und Wartung der Ladeinfrastruktur liegen statt der ursprünglich kalkulierten 6.000 Euro bei bislang 12.000 Euro. Durch die Neuartigkeit der Technik fielen einige Arbeiten an, deren Kosten der ASB zuvor nicht separat einkalkuliert hatte (z.B. die Installation eines Fundaments und eines Anfahrschutzes, die nicht im Preis der Ladesäule selbst enthalten waren). Diese Aufwände und Kosten beeinträchtigen die Gesamtkosten erheblich zu Ungunsten der Elektrofahrzeuge.

Instandhaltung:
Instandhaltungskosten sind bislang nur in geringem Umfang angefallen. Es traten bisher keine Probleme auf, die damit zusammenhängen, dass es sich um Elektrofahrzeuge handelt.

Kostenrechnung:
Die Kostenrechnung zeigt: Die Elektrofahrzeuge sind günstig zu betreiben und können so auf lange Sicht die hohen Initialkosten amortisieren. Erst die Ladeinfrastrukturkosten machen einen Betrieb im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor momentan noch unrentabel (vgl. Abb. 4.29).

Ausblick:
Die Fahrzeuge werden nach Ablauf des Leasingzeitraums für voraussichtlich ca. 6.000 Euro pro Fahrzeug inklusive Mehrwertsteuer gekauft und weiterbetrieben. Zusätzlich wird vorerst ein weiteres Elektrofahrzeug beschafft. Auch ohne weitere Unterstützung durch Fördergelder plant der ASB Bremen, weitere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach Ablauf der Nutzungsdauer durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Grund dafür sind vor allem deren niedrige Betriebskosten.

Nach Einschätzung der ASBGeschäftsleitung kann mittelfristig ca. ein Drittel der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor der ASB-Flotte durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Eine vollständige Umstellung ist nach derzeitigem Stand der Technik nicht möglich, da einige Touren für die Reichweite der Elektrofahrzeuge zu lang sind. Voraussetzung dafür, dass zukünftig tatsächlich ein Drittel der Flotte elektrisch betrieben werden kann, ist eine Verbesserung der Ladeinfrastruktur-Situation (rechtlich: Schaffung von Stellplätzen für Elektrofahrzeuge; finanziell: Senkung der Ladeinfrastruktur-Installationskosten sowie der Wartungskosten und -aufwände). Verbessert sich die Ladeinfrastruktur-Situation dagegen mittelfristig nicht, wird der ASB anstelle von Elektrofahrzeugen auf LPG-Fahrzeuge setzen, die dann die wirtschaftlichere Alternative darstellen würden.