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e-Vario: Umrüstung kommunaler Nutzfahrzeuge auf Elektroantrieb bei der BSR

Quelle: Berliner Stadtreinigung

Mit rund 1.800 Fahrzeugen ist der Fuhrpark der Abfallwirtschaft und der Straßenreinigung der Berliner Stadtreinigung (BSR) einer der größten kommunalen Nutzfahrzeugparks in Deutschland. Bereits seit vielen Jahren setzt die BSR auf eine konsequente, technologische Weiterentwicklung der Flotte, insbesondere durch den Einsatz von neuen Antriebstechnologien.

Einen besonderen Akzent hat die BSR mit der Elektrifizierung von bestehenden Dieselfahrzeugen gesetzt. Stellvertretend für den Einsatz von Elektrofahrzeugen in den unterschiedlichen Fahrzeuggruppen stellen wir hier die Elektrifizierung eines Altfahrzeuges vor. Insgesamt 28 Fahrzeuge der bestehenden Flotte vom Typ Mercedes-Benz Vario wurden im Zeitraum 2019-20 zum „e-Vario“ umgebaut und sind seitdem als Elektrofahrzeug stabil im täglichen Einsatz unterwegs.

  • Partner
    Paul Nutzfahrzeuge GmbH, BPW Bergische Achsen
  • Förderung
    Programm „Saubere Luft“ des BMVI 28 Fahrzeuge: 3,7 Mio Euro
  • Fahrzeuge
    Elektrifizierung von 28 Mercedes Benz Vario
  • Ladeinfrastruktur
    100 AC Ladesäulen und 32 DC Schnellladesäulen (mit lokalem Lastmanagement)
  • Kontakt
    Berliner Stadtreinigung
    Wolfgang Wüllhorst
    Leiter der Geschäftseinheit
    Fuhrparkmanagement

    Ringbahnstr. 96
    12103 Berlin

    Tel.: 030 75923710
    Mail: Wolfgang.Wuellhorst@bsr.de
    Web: www.bsr.de

    Twitter: twitter.com/BSR_de

Die Umrüstung

Varios dienen bei der BSR als Laubsammelfahrzeug, werden zur Straßenreinigung eingesetzt und können darüber hinaus über eine Anbauplatte mit einem Schneepflug ausgerüstet werden.

Für den Umbau wurden Dieselmotor und Antriebstrang entfernt und durch Elektromotoren, Batterien sowie eine entsprechende Motorsteuerung ersetzt. Die zwei Batterien mit einer Kapazität von insgesamt 80 kWh sind identisch mit denen des BMW i3 und ermöglichen eine Reichweite von bis zum 150 Kilometern. Die Batterien können schnell geladen werden – sowohl mit 50 KW Gleichstrom (DC) als auch mit 7,4 KW Wechselstrom (AC).

Zum Zeitpunkt der Umrüstung waren die Fahrzeuge bereits rund 18 Jahre alt – mit einem Restwert von nahezu Null. Neben der Erneuerung des Antriebs erhielten die Fahrzeuge von der Lackierung, über das Fahrwerk bis zu den Sitzen ein Retrofit. Die BSR rechnet durch den Umbau mit einer Verlängerung der Fahrzeuglebenszeit von mindestens 6-8 Jahren.
Im Februar 2019 wurde das erste umgerüstete Fahrzeug dem operativen Betrieb übergeben.

Vorteile der Umrüstung

  • Varios im kommunalen Kontext sind oft mit teuren Spezialaufbauten versehen. Daher wird eine Umrüstung bestehender Fahrzeuge unterstützt durch Fördergelder.
  • Mit dem Umbau gewinnen die Fahrzeuge an Nutzlast, weil die Kardanwelle und der schwere Diesel-Motor wegfallen.
  • Durch das „Upcycling“ von bestehenden Fahrzeugen werden Müll, Energie und CO2 eingespart, die bei der Produktion eines Neufahrzeugs und Entsorgung des Altfahrzeugs entstehen würden.

Vorzüge im Betrieb:

  • Deutlich geringe Lärmemissionen (Reduktion um 10 Dezibel)
  • Keine lokalen CO2-Emissionen (vorher 581g/km bei 20l/100km)
  • Verringerte Wartungskosten (Abschätzung > 30%)
  • Verbrauchskosten fallen ca. 2/3 geringer aus

Ladeinfrastruktur

Im Zuge der Elektrifizierung der Nutzfahrzeugflotte wird auch die Ladeinfrastruktur der BSR kontinuierlich ausgebaut. Die e-Varios werden an AC- wie auch DC-Ladesäulen über Nacht geladen. Die BSR hat verteilt über die Liegenschaften mehr als 100 AC- und 33 DC- Ladesäulen.

Ein lokales Energiemanagement sorgt dafür, dass die vorhandene Netzleistung durch Ladespitzen nicht überschritten wird. Für die weitere Elektrifizierung der Flotte ist es erforderlich, die Errichtung einer intelligenten Ladeinfrastruktur weiterzuentwickeln und die operativen Prozesse im Blick zu halten.

Erfahrungen

Eine wichtige Voraussetzung für die BSR bei Projekten mit alternativen Antrieben ist, dass die Elektrofahrzeuge die gleichen Anforderungen erfüllen wie konventionell angetriebenen Fahrzeuge. Das bedeutet klar definierte Anforderungen bei der Fahrzeugauswahl, zum Beispiel hinsichtlich der möglichen Einsatzdauer, Nutzlast und Winterfestigkeit.

Diese Erwartungen erfüllen die e-Varios nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Bisher musste die BSR keinen Fahrzeugausfall oder eine größere Panne verzeichnen. Die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge im operativen Betrieb ist stabil.

Auch anfangs skeptische Fahrer*innen konnten schnell von der Leistungsfähigkeit und den Vorzügen wie den geringeren Lautstärke- und Schadstoffemissionen der Fahrzeuge überzeugt werden. Mittlerweile gehören die Elektrofahrzeuge zum regulären Arbeitsalltag und erfreuen sich großer Beliebtheit beim Fahrpersonal.

Nicht zuletzt sorgen die orangefarbenen Fahrzeuge mit grünem Streifen für Aufmerksamkeit in der Stadt. Die Elektrofahrzeuge transportieren ein modernes, innovatives Image, das der BSR auch als Arbeitgeberin zugutekommt.

„Mit der Umrüstung des Vario haben wir eine auch finanziell attraktive Möglichkeit gefunden unseren Fuhrpark klimafreundlicher zu gestalten, ohne gleich in neue Fahrzeuge investieren zu müssen. Die Möglichkeit der Umrüstung ist sicherlich auch für andere Einsatzbereiche im kommunalen Aufgabengebiet geeignet, insbesondere bei Varios mit Spezialausstattungen“, so Wolfgang Wüllhorst, Leiter der Geschäftseinheit Fuhrparkmanagement.

Förderung

Die Umrüstung der Dieselfahrzeuge auf Elektroantrieb wurde durch das „Sofortprogramm Saubere Luft“ der Bundesregierung mit 75 % der Mehrkosten unterstützt. Die Kosten pro Fahrzeugumrüstung betrugen rund 150.000 Euro.

Hintergrund

Die BSR setzt seit Jahren auf eine konsequente Weiterentwicklung ihrer Fahrzeugflotte und investiert dabei in energieoptimierte und emissionsreduzierte Fahrzeuge für den urbanen Raum. Das Testen von alternativen Antrieben ist in den strategischen Unternehmenszielen verankert. Möglich wird dies unter anderem durch Fördergelder aus dem „Sofortprogramm Saubere Luft“. Insgesamt 25 Millionen Euro wurden der BSR für Projekte mit alternativen Antrieben bewilligt. Davon konnten Projekte mit einem Volumen von 10 Millionen Euro bereits realisiert werden.

Die Projekte sind sehr vielseitig ausgerichtet, in denen die BSR nach robusten und klimafreundlichen Alternativen für die bestehende Flotte sucht. Dazu zählen:

  • Nachrüstung NOx-Filteranlagen bei Dieselfahrzeugen
  • Biogasbetriebene Abfallsammelfahrzeuge (über 170 Fahrzeuge im Einsatz)
  • Neuentwicklung von Elektrofahrzeugen
  • Umrüstung von bestehenden Fahrzeugen auf Elektroantrieb
  • Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb)

Als Ziel hat sich die BSR gesetzt: 70 % des Fuhrparks bis 2025 im Euro 6 Standard (oder besser) zu betreiben und 20 % des Fuhrparks mit alternativen Antrieben realisiert zu haben. Aktuell fahren 290 Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb.

Herausforderungen

  • Die Kosten für den Umbau auf Elektroantrieb bei Nutzfahrzeugen sind aktuell abhängig von der Fahrzeuggruppe rund doppelt so hoch, wie für die Anschaffung eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass die Kosten für den Umbau durch größere Stückzahlen sinken werden.
  • Während des Testbetriebs musste die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur anfangs justiert werden, um einen reibungslosen Ladevorgang zu ermöglichen.

Learnings / Tipps für andere Kommunen

  • Eine intensive Begleitung der Einführungsphase ist essentiell, um die Akzeptanz für den Einsatz und bei den Mitarbeitern abzusichern.
  • Der Aufbau von (Tank- und) Ladeinfrastruktur muss frühzeitig geplant werden, da dieser in der Regel mehr Zeit benötigt als die Beschaffung der Fahrzeuge. Insbesondere bei steigenden Fahrzeugzahlen.
  • Förderprogramme sind aktuell noch unverzichtbar , da die Mehrkosten der emissionsfreien Fahrzeuge noch deutlich höher sind als für vergleichbare konventionelle Fahrzeuge.