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ioki Hamburg – On-Demand Shuttle in Hamburg

Quelle: VHH

Das „ioki Hamburg“-Shuttle ist ein On-Demand-Angebot des Hamburger Nahverkehrs. Ohne feste Linien und Fahrplan kann die individuelle Fahrt per App gebucht werden. Wenn möglich, werden ähnliche Routen mehrerer Fahrgäste dabei gebündelt.

  • Kontakt
    Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH
    ioki Hamburg Shuttle
    Thorge Storm
    Curslacker Neuer Deich 37
    21029 Hamburg

    Tel 04102 2221-11

    thorge.storm@vhhbus.de
    Internet vhhbus.de/ioki-hamburg
  • Ort
    Hamburg Osdorf / Lurup und Billbrook
  • Zuständiger Aufgabenträger
    Freie und Hansestadt Hamburg
  • Partner
    ioki GmbH, VHH, HVV, TU Hamburg
  • Fahrzeuge
    Barrierefrei ausgestattete Batteriefahrzeuge von LEVC TX eCity sowie konventionell angetriebene Nissan NAV 300

Das Projekt

Das Ioki Hamburg Shuttle ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Hamburg, der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) und der IOKI GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, die im Bereich „intelligente On-Demand-Mobilität“ aktiv ist. Die Abkürzung ioki steht dabei für „input output künstliche Intelligenz“.

Insgesamt 21 Fahrzeuge fahren in den beiden Stadtteilen Hamburg Osdorf / Lurup und Billbrook und bedienen dabei vorrangig die sogenannte ”Erste“ bzw. „Letzte Meile“, das heißt von der Haustür des Fahrgasts zum nächsten Anschluss an den ÖPNV oder umgekehrt. Das Angebot ist 24 Stunden und 7 Tage die Woche verfügbar.

Das ioki Hamburg Shuttle hat zwar keinen festen Fahrplan oder Linien, es hält dennoch an festen Haltepunkten. Die Kunden buchen ihre Route über die „ioki Hamburg App“ und müssen dann maximal 200 Meter bis zu einem dieser Haltepunkte laufen, von welchem sie mit dem Shuttle mitgenommen werden.

Durch eine intelligente Software im Hintergrund werden ähnliche Routen in Echtzeit zusammengelegt, so dass bis zu 6 Personen gemeinsam befördert werden. Die errechnete Ankunftszeit bewegt sich daher in einem 20 Minuten-Fenster, je nachdem wie viele Personen unterwegs mitgenommen werden.

Für die Umsetzung des Projekts sind die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) eine gleichberechtigte Partnerschaft mit der ioki GmbH eingegangen. Während die VHH für den operativen Betrieb zuständig ist, kümmert sich die ioki GmbH um die App und deren Support, die benötigte Hardware in den Fahrzeugen sowie die Fahrzeuge selbst. Bei letzterem handelt es sich um emissionsfreie batterieelektrische Fahrzeuge des britischen Herstellers LEVC (Modell TX eCity).

Gebiete & Haltestellen

Das ioki Hamburg Shuttle fährt in den drei Hamburger Stadteilen Hamburg Osdorf, Lurup und Billbrook. Anliegen ist es, die Stadteile feiner und dichter im ÖPNV zu erschließen und an den bestehenden ÖPNV (Bus / S-Bahn / U-Bahn) anzuschließen. Vorteile ergeben sich insbesondere für Straßen und Gebiete, die aufgrund ihrer engen Bebauung durch große Busse nicht befahren werden können.

Quelle: VHH

Vor dem Start des Projekts wurde eine ausführliche Analyse der bedienten Stadtteile hinsichtlich bestehender Lücken bzw. Bedarfe im ÖPNV durchgeführt. Die Analyse basierte unter anderem auf Daten zur Nutzung des Mobilfunks.
Die Shuttle-Fahrzeuge nutzen für die Fahrgastaufnahme die bestehenden Bushaltestellen sowie weitere 65 Haltepunkte, die lediglich mit kleinen Hinweistafeln an den Laternen ausgestattet sind. Von dort aus werden die Fahrgäste an ihr Ziel befördert.

Die Umsetzung der Hinweistafeln wurde durch die gute Zusammenarbeit mit der Hamburg Verkehrsanlagen GmbH ermöglicht. Die Gesellschaft ist unter anderem für den Betrieb der Laternen in Hamburg zuständig und hat einer unkomplizierten Montage der Schilder zugestimmt. Hierbei konnten die bestehenden langjährigen Kontakte zwischen den Entscheidungsträgern bei VHH und Hamburg Verkehrsanlagen gewinnbringend eingesetzt werden.

Quelle: VHH

Tarif und Bezahlung / Finanzierung

Für die Nutzung des ioki Hamburg Shuttle wird ein normales Nahverkehrsticket des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) benötigt. Zusätzlich wird ein Komfortzuschlag von einem Euro erhoben. Die Bezahlung erfolgt über die App per Kreditkarte, Apple Pay oder Vorab-Überweisung (für Wochen- /Monats- / Jahreskarte).

Alternativ zum digitalen Bezahlen gibt es die Möglichkeit eine Guthabenkarte in bar zu kaufen. Allerdings ist hier ein entsprechender Vorlauf von zwei bis drei Arbeitstagen nötig.

Zunächst war für die Nutzung des ioki Hamburg Shuttle nur ein Nahverkehrsticket nötig, später wurde der Komfortzuschlag in Höhe von einem Euro eingeführt. Für die Einführung des Komfortzuschlags gab es zwei Gründe:

  1. Kunden haben eine hohe Zahl an „Spaßbuchungen“ durchgeführt, ohne die Fahrt anzutreten. Dies führte anfangs zu einer sehr niedrigen Service-Quote, d. h. teilweise konnten nur 2 von 10 Fahrtanfragen mit einem Angebot bedient werden.
  2. Es drohte eine Kannibalisierung des bestehenden Busverkehrs, insbesondere bei Kurzstreckenfahrten, bei denen der On-Demand-Verkehr keine Zeit- oder Komfortvorteile für den Kunden gegenüber dem Bus generiert. Fahrgäste mit komplexeren Verbindungen (z. B. mit Umstiegen zwischen verschiedenen Buslinien), die durch den direkt verkehrenden On-Demand-Verkehr spürbare zeitliche Vorteile erfahren, können seit Einführung des Zuschlags deutlich verlässlicher auf den On-Demand-Verkehr zurückgreifen. Diese Kunden sind willens für den verbesserten Komfort einen Zuschlag zu zahlen.

Mit Einführung des Zuschlags reduzierten sich die Nutzerzahlen zunächst drastisch von 1000 auf ca. 100 Fahrgästen pro Tag. Nach einiger Zeit pendelten sich diese jedoch wieder bei der prognostizierten Zahl von ca. 500-600 Fahrgästen pro Tag ein. Auch die Servicequote, also der Anteil an Buchungswünschen, die tatsächlich realisiert werden, liegt seither konstant bei über 90%.

Der Komfortzuschlag für den Shuttle in Höhe von 1 Euro ist nicht kostendeckend. Als Teil des ÖPNV ist das Projekt daher auf eine entsprechende Finanzierung durch die Freie und Hansestadt Hamburg, angewiesen. Aktuell trägt die ioki GmbH ihren Anteil an den Projektkosten eigenständig. Eine Finanzierungszusage gibt es bis Ende 2020.
Einen großen Schritt in Richtung Wirtschaftlichkeit dürfte zukünftig der Betrieb von autonom fahrenden Shuttles ausmachen. Dieser ist allerdings noch nicht in den nächsten Jahren zu erwarten.

Entwicklung

Das ioki Hamburg Shuttle wurde in einem mehrstufigen Projektplan umgesetzt. Buchbar ist der Service seit Juli 2018 - zunächst mit einer Befristung bis Ende 2018. Weitere Befristungen gab es bis Ende 2019 bzw. Ende 2020. Es wird davon ausgegangen, dass der Service auch darüber hinaus weitergeführt wird.

Abgrenzung gegenüber dem Wettbewerb

Anders als die kommerzielle Konkurrenz will das ioki Hamburg Shuttle keine Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV sein, sondern diesen gezielt ergänzen und zusätzliche Nutzergruppen ansprechen, die ansonsten z. B. mit dem Auto fahren würden. Daher fiel die Gebietsauswahl auf die eher außen liegenden Stadtteile und nicht auf den wirtschaftlich attraktiveren – aber bereits gut angebundenen – Innenstadtbereich.

Auffällig ist, dass die Zielgebiete des ioki Hamburg Shuttle verhältnismäßig klein sind und mit wenigen Fahrzeugen bedient werden können. Dies ist gewollt und gehört zum Konzept: Die Innenstadt soll nicht durch ein weiteres Verkehrssystem überlastet werden. Vielmehr soll die Attraktivität des ÖPNV in bisher weniger stark Gebieten gesteigert werden.

Die kleine Flotte wurde im Laufe der Zeit durch eine Optimierung der Routen möglich. So wurde die Flotte in Hamburg Osdorf von ehemals 25 Fahrzeugen auf mittlerweile 17 reduziert – ohne dass es dadurch Einschränkungen in der Verfügbarkeit des Services gegeben hat.

Nachteilig wirkt sich derzeit aus, dass Apps des Verbundes (HVV App) und des On-Demand-Verkehrs (ioki Hamburg App) noch nicht tiefenintegriert sind. Das heißt, dass der Kunde benötigt derzeit zwei Apps benötigt: eine für die Nutzung des konventionellen ÖPNV und eine für den On-Demand-Verkehr. Allerdings sind die Schnittstellen in Bearbeitung und Ziel ist es zukünftig eine gemeinsame Mobilitäts-App zu haben, durch die eine nahtlose Nutzung bzw. Buchung der unterschiedlichen Verkehrssysteme möglich ist.

Auch beförderungsrechtlich unterscheidet sich das ioki Hamburg Shuttle von anderen am Markt erprobten On-Demand-Verkehren. Während die meisten kommerziellen Dienste eine Genehmigung als Gelegenheitsverkehr haben, fährt der ioki Hamburg Shuttle mit einer Linienkonzession. Damit verbunden ist auch die Tarifpflicht, das heißt die Beförderungsentgelte sind festgelegt und werden für alle Personen gleichermaßen angewendet. Andere Anbieter hingegen gestalten ihre Preise flexibel und passen diese an die jeweilige Auslastung an. Demnach können die Preise für die gleichen Strecken je nach Uhrzeit und Auslastung der Flotte variieren.

Wichtige Erfahrungen & Tipps für Kommunen

Wie bereits erwähnt liegen die Servicequote, also die Quote an erfüllten Fahrtwünschen und auch die Fahrgastzahlen im erwarteten Rahmen. Das heißt, die von der ioki GmbH im Vorfeld entwickelten Simulationen waren bereits sehr genau und verlässlich. Trotzdem ist eine laufende Weiterentwicklung des Service über Tests anhand verschiedener Software-Parameter nötig, um das Angebot weiter zu optimieren.

Auch „Worst-Case“-Momente gehören zu den Lernerfahrungen: So gibt es beispielsweise eine Kundenrückmeldung, dass eine Fahrt mit dem Shuttle länger gedauert hat als ein entsprechender Fußweg. Hier konnte aus der Praxis gelernt und das Angebot kurzfristig adaptiert werden, so dass die Zusammenlegung verschiedener Routen keine größeren Zeitverluste für die Fahrgäste bedeutet.

An den überschaubaren Gebieten und der niedrigen Fahrzeugzahl zeigt sich: On Demand Angebote lassen sich auch in kleinerem Umfang realisieren. Dadurch schaffen sie eine echte Verbesserung des ÖPNV-Angebots bei vergleichsweise geringen Kosten. Bereits mit wenigen Fahrzeugen kann so ein sinnvolles, ergänzendes Mobilitätsangebot geschaffen werden.

Zentrale Voraussetzung für die Umsetzung eines On-Demand-Angebots sind

a) eine Klärung des Ziels (z. B. Vorgabe eines Budgets, eines zu bedienenden Gebiets oder eine Anzahl an Fahrten pro Tag) und
b) eine gute Beratung und fundierte Gebietsanalyse im Vorfeld des Projekts.
Auf diese Weise kann eine realistische Erwartungshaltung entwickelt werden. Die betroffenen Verkehrsunternehmen sollten dabei frühzeitig mit eingebunden werden, damit gemeinsam an einen Strang gezogen werden kann.